Rund um die Unesco-Welterbekirche St. Michaelis in Hildesheim gehen am Mittwoch die Lichter aus: Experten prüfen die historische Bilderdecke mit einer besonderen Technik auf mögliche Schäden.
Hildesheim (epd). Die aus dem Mittelalter stammende, kunstvoll bemalte Holzdecke in der Welterbekirche St. Michaelis in Hildesheim soll von Fachleuten auf mögliche Schäden untersucht werden. Für das Monitoring durch einen Architektur- und Dokumentationsfotografen werde am Mittwochabend auch die umliegende Straßenbeleuchtung ausgeschaltet, teilte das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege mit. In den Dunkelstunden könne somit Streiflicht eingesetzt werden, was mögliche Beschädigungen durch Licht- und Schatteneffekte deutlich hervortreten lasse. Die evangelische Kirche gehört seit 1985 zum Unesco-Weltkulturerbe.
Die etwa 27 mal acht Meter große Decke im Mittelschiff der Kirche gehöre mit rund 1.300 bemalten Eichenholzbohlen zu den wenigen bis heute erhaltenen monumentalen Tafelgemälden des Hochmittelalters, hieß es. Entstanden sei sie auf Initiative des Hildesheimer Bischofs Konrad II. von Riesenberg in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Holzdecke zeigt in acht Hauptfeldern eine malerische Umsetzung des Stammbaums von Jesus Christus und 42 Medaillons mit Darstellungen seiner Vorläufer und Vorfahren, beginnend mit Abraham. Die Decke wurde während des Zweiten Weltkriegs ausgebaut und an verschiedenen Orten eingelagert.
Seit 1998 sei die Holzmalerei in regelmäßigen Abständen auf Malschichtschäden und Risse untersucht worden, hieß es. Anfänglich seien dafür computergestützte Verfahren und Multispektral-Aufnahmen getestet und genutzt worden. Mittlerweile habe sich jedoch ein Abgleich hochauflösender digitaler Fotografien bei identischer Beleuchtung und Aufstellung bewährt. Bei der vergangenen Untersuchung im Jahr 2017 seien keine schwerwiegenden Beschädigungen festgestellt worden.
Die St. Michaeliskirche wurde anlässlich ihres 1.000-jährigen Gründungsjubiläums im Jahr 2010 für insgesamt zehn Millionen Euro saniert. Der katholische Bischof Bernward von Hildesheim (etwa 950-1022) ließ sie 1010 nach streng geometrischen Prinzipien als seine Grabeskirche bauen. 1542 wurde sie im Zuge der Reformation zur evangelischen Pfarrkirche.