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Die Kosten in der Pflege steigen immer weiter. Wenn das System nicht radikal reformiert wird, droht es, an einen Kipppunkt zu geraten, warnt der Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, Hans-Joachim Lenke.

Hannover (epd). Der Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen hat eine radikale Reform der Pflegeversicherung angemahnt. Das System bewege sich auf einen Kipppunkt zu, sagte Lenke der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Montag). Es gebe zunehmend Insolvenzen von Pflegeanbietern. «Menschen ziehen oft in ein Heim mit dem Gedanken: Das ist meine letzte Station. Wenn dann eine Einrichtung schließt, ist das der Worst Case.»

In der ambulanten Pflege sei die Lage noch deutlich angespannter, führte Lenke aus. «Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Viele Pflegedienste müssen regelmäßig Anfragen ablehnen, weil Personal fehlt oder die Wege nicht ausreichend refinanziert sind.» Insgesamt sei Pflege schon jetzt für viele nicht mehr bezahlbar, betonte Lenke. «Entweder man hat Vermögen oder eine Immobilie - oder man ist sehr schnell auf Sozialhilfe der sogenannten 'Hilfe zur Pflege' angewiesen. Pflege ist längst ein Armutsrisiko.»

Kostentreiber seien vor allem die gestiegenen Löhne. Es sei gut und richtig, dass Pflegearbeit heute tariflich gut bezahlt werde aber die Pflegeversicherung sei als Teilkaskosystem konzipiert und decke damit nur einen Teil der Kosten, erläuterte Lenke. «Das funktioniert so nicht mehr.» Seit Jahren gebe es nur kleine Reformen, die allerdings nicht das Versprechen einlösen könnten, dass Pflege nicht in Armut führt.

Lenke plädierte für eine Begrenzung der Pflegeanteile. Als Modell brachte er einen sogenannten Sockel-Spitze-Tausch ins Gespräch. Dabei zahlen Pflegebedürftige einen festen Betrag, alles darüber übernimmt die Pflegeversicherung. «Man kann darum ringen, wie hoch der Sockel ist - aber er muss niedriger als der jetzige Eigenanteil sein.» Die Politik drücke sich seit Jahren davor, ehrlich über die Finanzierung der Pflege zu reden.