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Australien hat bereits Jugendlichen Instagram, TikTok und Co verboten, Frankreich will folgen. In Deutschland hat die SPD einen Vorschlag gemacht, der aber noch Fragen offen lässt.

Bremen (epd). Das Social-Media Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren in Australien und das neue SPD-Papier zu Zugangsbeschränkungen ist nach Ansicht der Bremer Medienaufseherin Cornelia Holsten nur bedingt hilfreich, um Kinder und Jugendliche im Internet zu schützen. «Es ist die berühmte Idee von einfachen Antworten auf komplizierte Fragen», sagte die Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Denn das australische Verbot gelte weder für Messenger-Dienste wie WhatsApp noch für Plattformen, deren Inhalte ohne Accounts genutzt werden können. So könnten sich Jugendliche weiterhin Videos beispielsweise auf Youtube oder TikTok ansehen. Sie könnten nur keine eigenen Inhalte hochladen.

Schon jetzt gelte auch hierzulande etwa für Instagram oder WhatsApp ein Nutzungsverbot für Kinder unter 13 Jahren. Doch die Plattformen setzten ihre eigenen Bestimmungen nicht um, kritisierte Holsten. «Auf WhatsApp werden Inhalte geteilt, die nicht zum Teilen geeignet sind. gerade Cyber-Mobbing spielt sich in der Regel über solche Messenger ab.»

Die Plattformen müssten die eigenen Nutzungsbedingungen im Blick auf den Kinder- und Jugendschutz auch technisch durchsetzen, forderte die Medienaufseherin. Schließlich hafteten sogar Hersteller von Spielgeräten für die Sicherheit auf dem Spielplatz. Wenn die Unternehmen sich nicht kümmerten, müssten gesetzliche Regulierungen getroffen werden: «Die müssten dann wahrscheinlich aus rechtlichen Gründen auch europäisch sein, was es nicht leichter macht.»

Ein guter Punkt im SPD-Papier sei, dass Aufklärung mitgedacht werde. Das gelte auch für Eltern, betonte Holsten: «Es gibt den Kinderkanal YouTube Kids. Es gibt bei Google Kinderschutz-Einstellungen und viele andere Jugendschutzfilter. Die aktivieren die Eltern aber nicht.» Eltern müssten lernen, die Schutzeinrichtungen auf den Handys ihrer Kinder einzurichten. Wie dies funktioniert, werde leicht verständlich auf der Internetseite www.medien-kindersicher.de erklärt.

Außerdem sollten sich die Eltern zeigen lassen, was sich auf den Handys ihrer Kinder abspielt. «Wenn man sich nicht in diese Welt hineinbegibt, dann kann man sie auch nicht verstehen. Dann muss man sich halt daneben setzen und vermeintlich langweilige Beauty-Tutorials anschauen.» Die Medienaufseherin warnte jedoch davor, die Verantwortung für den Jugendschutz auf die Eltern abzuwälzen. Es bleibe die Aufgabe der Plattformen, für den Jugendschutz aktiv zu werben.

Unsicher sei sie sich, wie bei dem von der SPD vorgeschlagenen Modell Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren vor den Gefahren in den sozialen Medien gewarnt werden könnten, räumte Holsten ein. Kinder könnten im übertragenen Sinne nicht 16 Jahre lang vom Beckenrand ferngehalten werden, um sie dann ohne Betreuung ins tiefe Schwimmbecken springen zu lassen. «Es reicht nicht zu sagen: Du bekommst jetzt dein erstes Smartphone, aber sei schön vorsichtig. Da müssen wir noch weiter nachdenken.»