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Zehntausende Jesiden leben noch immer auf der Flucht. Menschenrechtler sehen Parallelen zu früheren Verbrechen und warnen: Der Konflikt in Syrien könnte den Irak erreichen.

Göttingen (epd). Im Konflikt um große Teile Nordsyriens befürchten Menschenrechtler auch eine Bedrohung von Kurden und anderer Minderheiten im benachbarten Nordwesten des Irak. «In Telefongesprächen mit Jesiden aus der Region wurde uns immer wieder die Sorge vor möglichen Angriffen sunnitischer Islamisten geschildert», sagte Nahost-Referent Kamal Sido von der «Gesellschaft für bedrohte Völker» am Mittwoch in Göttingen. Insbesondere die Jesiden hätten große Angst, nachdem ihre Gemeinschaft bereits 2014 Opfer eines Völkermords durch den «Islamischen Staat» wurde.

Anführer und Angehörige von arabisch-sunnitischen Stämmen, die bereits 2014 mit dem IS sympathisierten oder die Angriffe unterstützt hätten, seien auch bei den Angriffen in Syrien anführend beteiligt. Die Truppen des neuen islamistischen Regimes in Damaskus bestünden zu 75 Prozent aus ehemaligen IS-Mitgliedern, al-Qaida-Kämpfern oder anderen radikalen sunnitischen Islamisten, sagte Sido. Tausende IS-Kämpfer im Nordosten Syriens hätten sich befreien können oder seien vom neuen Regime freigelassen worden.

Sowohl die deutsche Politik, als auch die Nato und die USA dürften die sunnitischen Islamisten nicht verharmlosen, mit ihnen sympathisieren oder sie sogar unterstützen, forderten die Menschenrechtler. Stattdessen müssten sie sich schützend an die Seite der Jesiden und anderer Minderheiten stellen. Der IS habe im Jahr 2014 bei dem Überfall auf die Sinjar-Region rund 5.000 Menschen im Nordirak getötet, 7.000 Frauen und Mädchen seien entführt und als Sklavinnen verschleppt worden, davon gälten 2.000 immer noch als vermisst.

Der Bundestag erkannte im Jahr 2023 den Angriff als Völkermord an. Bis heute sind den Angaben zufolge 200.000 geflohene Jesiden in die Sinjar-Region zurückkgekehrt. Weitere 300.000 Geflüchtete lebten weiterhin im kurdischen Nord-Irak, wo sie seit 2014 Zuflucht gefunden hätten.