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Nach dem Mordanschlag von Hanau zeigen auch in Niedersachsen Menschen ihre Anteilnahme und wenden sich gegen rechte Gewalt. Bei einer Kundgebung in Hannover betonte Ministerpräsident Stephan Weil: «Kein Fußbreit den Feinden der Demokratie.»

 

Hannover (epd). Nach dem Anschlag von Hanau haben am Freitagabend laut Veranstalterangaben rund 3.000 Menschen in Hannover gegen Rassismus und Rechtsextremismus demonstriert. Mit einer Schweigeminute gedachten sie der Opfer. «Uns verbindet die Trauer und die Fassungslosigkeit», sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bei einer Mahnwache vor der zentralen Marktkirche der Stadt. «Uns verbindet aber auch das Wissen, dass diese Gewalttat mehr war als ein Amoklauf.»

 

Es handle sich um ein weiteres Glied in einer Kette rechter Gewalt in Deutschland, betonte Weil. Es handle sich um ein politisches Verbrechen. Dazu habe auch die AfD mit ihrer Agitation beigetragen. Nötig sei jetzt ein starker Staat, der alle Menschen schütze. Nötig sei aber auch eine starke Gesellschaft von selbstbewussten und überzeugten Demokraten. «Kein Fußbreit den Feinden der Demokratie in Deutschland.»

 

Zu der Kundgebung hatte das breite gesellschaftliche Bündnis «Bunt statt braun» mit vielen weiteren Partnern aufgerufen. Zu den Teilnehmern zählten auch der evangelische Landesbischof Ralf Meister und Mitglieder der Synode der hannoverschen Landeskirche ebenso wie Vertreter von muslimischen Verbänden und jüdischen Gemeinden, von Gewerkschaften und Parteien.

 

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) sagte, Angst machten die Taten wie in Hanau, Angst machten aber auch eine Sprache und eine Ideologie, die Minderheiten beleidigten. «Nach dem Sagbaren kommt das Machbare», mahnte Onay. «Was mit dem Angriff auf die Menschlichkeit beginnt, endet mit dem Angriff auf Menschen.» Dies dürfe niemand hinnehmen.

 

Die evangelische Marktkirchen-Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann unterstrich: «Jede und jeder ist ein geliebtes Kind Gottes.» Kein Mensch dürfe sich deshalb über einen anderen erheben. Ausgrenzung und Rassismus seien mit christlichen Werten nicht vereinbar.

 

Auch in Lüneburg hatte das «Netzwerk gegen Rechts» zur Kundgebung aufgerufen. In Oldenburg versammelten laut Polizei rund 350 Menschen in der Innenstadt unter dem Motto «Gegen Menschenfeindlichkeit und Rassismus mit Kerzen für Solidarität». Zu der Mahnwache hatten die Leiterin der evangelischen Akademie, Brigitte Gläser, sowie Pastorinnen und Pastoren der Stadt aufgerufen. Bereits am Donnerstagabend fanden in mehr als 50 Städten deutschlandweit Mahnwachen statt, darunter in Bremen, Göttingen und Osnabrück. Weitere Kundgebungen sind am Sonnabend etwa in Wolfsburg, Braunschweig und Wilhelmshaven geplant.

 

Der 43-jährige Deutsche Tobias R. hatte nach Erkenntnissen der Ermittler am Mittwochabend in Hanau in zwei Shisha-Bars neun Menschen erschossen und anschließend seine Mutter und sich selbst getötet. Die Bundesanwaltschaft sieht «gravierende Indizien für einen rassistischen Hintergrund der Tat». Alle in den beiden Bars getöteten Menschen hatten eine Zuwanderungsgeschichte.