Wenn aus Paaren Familien werden, stecken noch immer vorwiegend die Mütter beruflich zurück. Viele Vätern arbeiten meist durchgehend in Vollzeit. Sozialminister Philippi mahnte faire Aufteilung von Care-Arbeit an.
Hannover (epd). Familienarbeit bleibt vor allem Frauensache: Während neun von zehn Vätern minderjähriger Kinder in Niedersachsen Vollzeit arbeiten, tut dies nach Angaben des Statistischen Landesamtes nur etwa jede vierte Mutter. 91,8 Prozent der Väter und 27 Prozent der Mütter waren 2024 nach am Dienstag veröffentlichten Zahlen der Behörde mit einer vollen Stelle berufstätig. Landessozialminister Andreas Philippi (SPD) warnte vor langfristigen Folgen einer ungerechten Aufteilung bei der Care-Arbeit.
Während die Männer unabhängig vom Lebensalter ihrer Kinder im Job kaum zurückstecken, ist die Vollzeitquote bei den Frauen vor allem in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder um ein Vielfaches niedriger. Bis zum dritten Lebensjahr liegt sie bei 24,9 Prozent, sinkt bis zum sechsten Lebensjahr auf 17,7 Prozent und steigt dann bis zur Volljährigkeit des Nachwuchses auf 38,5 Prozent. Bei den Vätern unterschreitet sie zu keiner Zeit die 90-Prozent-Marke.
Entsprechend zeigen sich Frauen beim Thema Teilzeit wesentlich flexibler. Bei Müttern variierten die Arbeitsstunden den Angaben zufolge deutlich - je nachdem, ob das jüngste Kind unter drei Jahre alt, im Kindergartenalter oder im schulpflichtigen Alter war. Tendenziell erhöhen Mütter ihre Arbeitsstunden mit dem Älterwerden ihrer Kinder, bleiben aber mehrheitlich dauerhaft in Teilzeit.
Die erheblichen Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung zeigt nach Angaben des Landesamtes, dass Frauen innerhalb der Familie häufig den größeren Anteil an Erziehungsarbeit übernehmen. Diese Rollenverteilung werde nicht allein durch individuelle Entscheidungen geprägt, hieß es. Auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen, wie die Verfügbarkeit von Kinderbetreuung und Verdienstunterschiede hätten einen wesentlichen Einfluss.
Minister Philippi sagte bezugnehmend auf die Statistik, die strukturelle Benachteiligung sei im Alltag vieler Frauen nach wie vor zu spüren. Unternehmen müssten althergebrachte Stereotype ablegen, flexible Arbeitszeitmodelle anbieten und Frauen wie Männer gleichermaßen fördern. «Männer sollten sich mehr zu Hause einbringen, sodass auch für Frauen gut bezahlte Arbeit und Familienzeit kein Widerspruch sein muss.»
Wenn Frauen in schlechter bezahlte Jobs gedrängt würden, schmälere das auch ihre Karrierechancen. «Wer weniger verdient, kommt auch bei Vermögensaufbau und Vorsorge langsamer voran», betonte der Minister. Zudem zeige sich die Ungleichheit «ganz unerbittlich bei den Rentenbezügen, schlimmstenfalls durch Altersarmut». Nötig sei daher eine faire Aufteilung von Care-Arbeit auf Frauen und Männer.