Die stark steigenden Kosten für einen Platz im Pflegeheim haben viele alarmiert. Sozialverbände machen sich für eine Pflegeversicherung stark, in die alle Bürgerinnen und Bürger einzahlen.
Oldenburg/Hannover (epd). Im Blick auf rasant steigende Kosten für einen Platz im Pflegeheim haben Sozialverbände in Niedersachsen und Bremen eine Bürgerversicherung für die Pflege gefordert. «Eine Pflegeversicherung, in die alle Bürgerinnen und Bürger einzahlen, wäre der richtige Weg zu einer soliden Finanzierung», sagte der Landesvorsitzende Friedrich Stubbe des Verbandes VdK am Freitag in Oldenburg. Sie müsse alle pflegebedingten Kosten übernehmen, ambulant wie stationär.
Ähnlich hatte zuvor bereits die Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Niedersachsen, Kerstin Tack, geäußert. Pflegebedürftigkeit dürfe nicht länger dazu führen, dass Menschen in Armut gerieten, sagte sie. Pflegekosten würden immer mehr zu einem Treiber gesellschaftlicher Ungleichheit, da Vermögen nicht mehr an Kinder vererbt werden könnten, sondern für die Pflegekosten aufgebraucht würden: «Jetzt ist es Zeit für einen grundlegenden Neuanfang.»
Nach aktuellen Zahlen der Krankenkasse AOK sowie des Verbands der Ersatzkassen (vdek) sind die Eigenanteile für einen Heimplatz wegen Tariferhöhungen in der Pflege und der Inflation deutlich gestiegen. Nach vdek-Berechnungen müssen Pflegebedürftige im ersten Jahr ihres Heimaufenthalts zusätzlich zu den Leistungen aus der Pflegeversicherung im Schnitt 2.903 Euro pro Monat zahlen. Das seien 264 Euro und damit zehn Prozent mehr als vor einem Jahr und 60 Prozent mehr als vor vier Jahren. In Bremen sind es sogar 3.637 Euro, ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Land liegt damit laut vdek bundesweit an der Spitze.
«Ein Ende der Kostensteigerungen ist nicht in Sicht», sagte Stubbe. Mehr als 30 Prozent der bundesweit 710.000 Pflegeheim-Bewohner seien auf Sozialhilfe angewiesen. Viele weitere blieben aus finanziellen Gründen zu Hause, statt ins Heim zu gehen. So seien viele Angehörige an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen. Die Politik dürfe nicht länger wertvolle Zeit und Ressourcen in Arbeitsgruppen vergeuden, um immer neue Sparmodelle auszuarbeiten.
Nach Angaben der Deutschen Stiftung Patientenschutz sind in Niedersachsen rund 99.000 Pflegebedürftige von steigenden Pflegekosten betroffen. Vorstand Eugen Brysch mahnte eine Deckelung der Eigenanteile auf 1.000 Euro an. Die AfD-Fraktion in Niedersachsen schloss sich den Forderungen nach einer grundlegenden Neuausrichtung in der Pflegefinanzierung an.