1. Tagung der 50. Synode der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg in Rastede
Mit sehr großer Mehrheit hat sich die Synode der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg für den Schutz von Menschenwürde, Nächstenliebe, Zusammenhalt und den Mut zur Demokratie ausgesprochen. Auf ihrer 1. Tagung im Evangelischen Bildungshaus Rastede beschlossen die Synodalen am Freitag, 29. Mai, mit einer Enthaltung eine Erklärung, in der die Synodalen betonen, die oldenburgische Kirche trete für eine offene und demokratische Gesellschaft ein. „Alle Menschen haben die gleiche Würde. Jeder Mensch ist von Gott gewollt und geliebt. Darum wenden wir uns gegen: Menschenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, religiösen Hass, Gewalt und Einschüchterung, die Abwertung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Lebensweise.“
Christlicher Glaube und völkischer Nationalismus seien nicht vereinbar. „Führende Vertreter*innen der AfD äußern sich verfassungsfeindlich und rechtsextremistisch. Nach unserer Überzeugung ist die AfD für Christ*innen daher nicht wählbar“, so die Synodalen in ihrer Erklärung.
„Wer Menschen gegeneinander ausspielt, Angst bewusst schürt oder demokratische Grundrechte relativiert, handelt gegen die Grundlagen eines friedlichen Zusammenlebens. Zugleich wissen wir: Auch viele verunsicherte oder enttäuschte Menschen suchen Orientierung und Anerkennung. Als Kirche wollen Gesprächsräume offenhalten und niemanden vorschnell als Gesprächspartner*in ausschließen. Darum verpflichten wir uns: demokratische Bildung zu fördern, Räume für Begegnung und Gespräch zu schaffen, Menschen zu schützen, die bedroht oder ausgegrenzt werden, uns öffentlich für Menschenwürde und Nächstenliebe einzusetzen, in unseren Gemeinden eine Kultur des Respekts zu stärken“, so der Wortlaut der Erklärung.
Hier finden Sie den vollen Wortlaut der Erklärung “Für Menschenwürde, Demokratie und Zusammenhalt” im Format PDF.
Jahresthema 2027: „Demokratie und Glauben – Kirche in Verantwortung“
Einstimmig hat die Synode der oldenburgischen Kirche am Freitagvormittag als Jahresthema 2027 „Demokratie und Glauben – Kirche in Verantwortung“ beschlossen. Bei diesem Thema sollen folgende Schwerpunkte gesetzt werden:
- Demokratiebildung und Extremismusprävention
- Kirche als Raum für Teilhabe und Vielfalt
- Kirche gegen Diskriminierung
„Angesichts zunehmender Demokratiefeindlichkeit, wachsender Diskriminierung und einer spürbaren Erosion kirchlicher Bindung und gesellschaftlichen Zusammenhalts, sind auch wir als Kirche aufgefordert, uns klar zu positionieren“, so der Wortlaut der Begründung des Gemeinsamen Kirchenausschusses für den Vorschlag zum Jahresthema 2027 der Synode. Das vorgeschlagene Thema reagiere auf diese Herausforderungen und knüpfe zugleich an Tagungen anderer Landessynoden in der Evangelischen Kirche in Deutschland an, die sich ebenfalls mit dem Thema Demokratie beschäftigen, betonte Bischof Thomas Adomeit in seiner Einbringungsrede.
„Wir leben in einer Zeit, in der demokratische Selbstverständlichkeiten und damit die Demokratie insgesamt brüchiger werden. Der Ton wird härter. Vertrauen schwindet. Menschen ziehen sich in Milieus zurück, in denen sie nur noch hören, was sie ohnehin schon denken. Andere erleben, dass sie wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer Lebensform, ihrer politischen Haltung oder ihrer Schwäche verächtlich gemacht werden. Darum ist Demokratie für die Kirche kein Nebenthema“, so Bischof Thomas Adomeit.
Kirche ist kein wertneutraler Raum
Natürlich sei die Kirche keine Partei, so Adomeit. Und sie dürfe es auch nicht werden. Aber die Kirche sei kein wertneutraler Raum. „Sie denkt vom biblischen Zeugnis her, bei dem das Evangelium Jesu Christi im Zentrum steht. Daraus folgt schon in der hebräischen Bibel ein bestimmter Blick auf den Menschen: Jeder Mensch ist Gottes Ebenbild. Jeder Mensch hat unverlierbare Würde. Diese Würde wird nicht verliehen durch Pass, Herkunft, Leistung, Lebensform, Bildung, Sprache oder politische Brauchbarkeit. Sie ist nach unserem Verständnis von Gott gegeben. Sie ist deshalb unverfügbar. Sie ist nicht abstufbar. Darum ist es kein politischer Seitensprung, wenn Kirche über Demokratie spricht. Es ist eine Konsequenz unseres Glaubens.“ Genau darin liege die Stärke von Demokratie, betonte Bischof Thomas Adomeit.
Bei aller Deutlichkeit in der Positionierung müsse die Kirche aber im Gespräch bleiben. „Wir dürfen Menschen nicht vorschnell kritisieren. Wir sollten verstehen wollen, warum Menschen wütend sind, enttäuscht, verunsichert, misstrauisch, sich abgehängt und nicht gehört fühlen. Wir müssen hören, was Menschen bewegt“, so Adomeit. Es gehe ausdrücklich nicht um die pauschale Verunglimpfung von Menschen oder darum, Wählerinnen und Wähler zu beschämen. „Es geht darum, politische Inhalte, Strategien und Menschenbilder zu prüfen. Und da müssen wir ehrlich sein: Wir sprechen nicht über einzelne Ausrutscher. Wir sprechen nicht nur über Tonfälle. Wir sprechen über ein Muster“, so der Bischof der oldenburgischen Kirche.
„Wenn in Programmen von ‚Remigration‘ gesprochen wird, dann ist das kein neutrales Verwaltungswort. Wenn eine eigene ‚Rückführungspolizei‘ nach dem Vorbild harter Abschiebebehörden gefordert wird, dann ist das nicht bloß Verwaltungstechnik. Wenn von ‚kulturfremden Flüchtlingen‘ die Rede ist, wenn Musliminnen und Muslime als Träger einer ‚kulturfremden Religion‘ beschrieben werden, deren Einfluss zu beschränken sei, wenn die Religionsfreiheit für Menschen anderen Glaubens als aufgeblähtes Sonderrecht dargestellt wird, dann geht es nicht nur um Migrationspolitik. Dann wird ein Grundrecht relativiert. Und wenn queere Menschen, Menschen mit Migrationsgeschichte, Geflüchtete fortwährend als Problem markiert werden, dann wird nicht nur Politik gemacht. Dann wird gesellschaftlich sortiert und diskriminiert“, betonte Bischof Thomas Adomeit.
Zwischenbericht zum Projekt Zukunftsfähigkeit der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg
„Unsere Kirche steht vor einer wichtigen Aufgabe: wir gestalten heute die Zukunft unserer Kirche für die kommenden Jahre und Jahrzehnte“, betonte Oberkirchenrat Sebastian Groß in seiner Einleitung zum Zwischenbericht zum Projekt „Zukunftsfähigkeit der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg“.
Die gesellschaftlichen Veränderungen machten auch vor der Kirche nicht halt und die Rahmenbedingungen veränderten sich spürbar. „Wir erwarten, dass die Zahl unserer Mitglieder in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen wird“, so Groß. In signifikanter Form sei die Kirche unmittelbar von den Kirchensteuererträgen abhängig und daher direkt von der Anzahl und der Finanzkraft der Kirchenglieder. Mit dem Rückgang der Anzahl der Mitglieder veränderten sich auch die finanziellen Möglichkeiten der oldenburgischen Kirche.
Das bedeute, dass in Zukunft weniger Mittel zur Verfügung stünden als heute. Natürlich sei schwer abzuschätzen, wie sich die rückläufige Mitgliederentwicklung in Zukunft auf unseren finanziellen Handlungsspielraum konkret auswirken werde, die Planungen seien mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.
Das Projekt Zukunftsfähigkeit solle helfen, so Groß, Schwerpunkte zu setzen, Kräfte zu bündeln, Doppelstrukturen zu überprüfen und Raum für Neues zu schaffen. „Wir wollen diesen Weg nicht aus einer Haltung des Mangels gehen, sondern aus Verantwortung und Gestaltungskraft. Die kommenden Entscheidungen werden nicht einfach sein. Aber sie bieten auch die Chance, klarer zu erkennen, was uns trägt und worauf wir unsere Energie künftig konzentrieren wollen. Dafür braucht es Offenheit, Mut und gemeinsame Gespräche. Dieses Projekt lebt davon, dass viele Perspektiven eingebracht werden. Nur gemeinsam können wir tragfähige Prioritäten entwickeln. Am Ende geht es um eine zukunftsfähige Kirche – inhaltlich, geistlich und finanziell.“
Während der Synodentagung stellte Pfarrer i. R. Kai Wessels als Projektleiter den Zwischenstand des Projekts „Zukunftsfähigkeit der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg“ vor und betonte, dass Ziel sei die Erstellung eines Gesamtkonzeptes durch den Oberkirchenrat für die finanzielle und inhaltliche Zukunftsfähigkeit der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg in einem strukturierten Verfahren. Ziel des Gesamtkonzeptes sei, so Wessels, die Aufgaben der oldenburgischen Kirche so zu gestalten, dass bei Erbringung aller Aufgaben gemäß der mittelfristigen Finanzplanung 2035 ein ausgeglichener Haushalt gewährleistet sei.
Bischof Thomas Adomeit: Am Ende müssen Entscheidungen getroffen werden, die nicht alles unverändert lassen können
Die Synode der oldenburgischen Kirche werde entscheiden müssen, wofür sie sich künftig mit ganzer Kraft Kirche sein wollen, was sie sich noch leisten können und vor allem, was sie auf keinen Fall geistlich und inhaltlich verlieren dürfe, betonte Bischof Adomeit in seiner Einbringung zum Bericht des Projekts.
Der Entscheidungsprozess werde nicht konfliktfrei ablaufen, betonte Bischof Adomeit. Es werde unterschiedliche Einschätzungen geben und gute Gründe für vieles, was heute geschehe. Am Ende müssten aber Entscheidungen getroffen werden, die nicht alles unverändert lassen könnten.
Der Gemeinsame Kirchenausschuss wird diesen Prozess weiter begleiten und die 50. Synode werde „in ihrer Amtszeit Weichen stellen, die weit über diese Periode hinausreichen. Das ist eine große Verantwortung. Aber es ist auch eine große Chance.“
Bericht zur Neustrukturierung der Verwaltung
Oberkirchenart Sebastian Groß stellte am Freitagvormittag die Fortschritte bei der Neustrukturierung der Verwaltung der oldenburgischen Kirche vor. Diese befinde sich aktuell in einer „entscheidenden Phase“. Aktuell läge der Schwerpunkt auf der Bildung der Fachbereiche und der Besetzung der Stellen in der neuen Struktur. „Es konnten bislang ca. 40 Prozent aller Mitarbeitenden der Gemeinsamen Kirchenverwaltung in die neue Struktur überführt werden“, so Oberkirchenrat Groß.
Zu den Überlegungen zu den künftigen Standorten konnte Groß an dieser Stelle noch keine konkreten Ergebnisse präsentieren. „Ziel bleibt weiterhin, dass der durch das Kirchenverwaltungsgesetz vorgegebenen Rahmen, eine Zentralstelle und drei Außenstellen, innerhalb des Projektzeitraums umgesetzt werden kann.“
Parallel zum Aufbau der von der Synode beschlossenen Strukturen soll zunächst ein Aufgaben -und Leistungskatalog für die Gemeinsame Kirchenverwaltung erstellt werden. Am Ende dieses Prozesses soll dann auch ein neuer Aufgabenkatalog für die Kirchenbüros erstellt werden.
Jahresthema 2026 „Kirche erleben, Vielfalt entdecken!“
Die Synode hat sich am Donnerstagnachmittag schwerpunktmäßig mit dem Jahresthema 2026 „Kirche erleben, Vielfalt entdecken!“ beschäftigt. Die oldenburgische Kirche hatte die Synodalen zu einem Kennenlern-Nachmittag eingeladen, der Orientierung und Vernetzung von Beginn an ermöglichen sollte. Im Mittelpunkt stand ein „Markt der Möglichkeiten“, bei dem Kirchenkreise, Werke und Einrichtungen sowie gesamtkirchliche Felder ihre Arbeit vorgestellt haben.
Synode der oldenburgischen Kirche
Das Kirchenparlament ist das oberste Organ der Kirche. Es nimmt stellvertretend für die Gemeinden die geistliche und rechtliche Verantwortung für das Leben der Kirche wahr. Die Synode ist beauftragt, auf allen Gebieten des kirchlichen Lebens Entscheidungen zu fällen. Ihr steht die kirchliche Gesetzgebung zu, sie ist für den gesamtkirchlichen Haushalt verantwortlich und wählt den Bischof bzw. die Bischöfin sowie die Oberkirchenräte. Die Synode, deren Amtszeit sechs Jahre beträgt, hat insgesamt 60 Mitglieder.
Auf der konstituierenden Sitzung der 50. Synode der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg Anfang März war Chris Schellstede zu neuen Präsidenten gewählt worden. Der 25-jährige Kaufmann für Tourismus und Freizeit aus Nordenham ist Nachfolger von Sabine Blütchen, die die oldenburgische Synode 18 Jahre geleitet hatte und nicht wieder zur Wahl stand.
Die Verhandlungen der Synode konnten im Live-Stream verfolgt werden: www.kirche-oldenburg.de/synode/live
Weitere Informationen wie auch Fotos finden Sie unter: https://www.kirche-oldenburg.de/kirche-kennen/struktur-gremien/synode/1/50-synode

