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Bremen/Berlin (epd). Der Berliner Islamwissenschaftler Guido Steinberg schließt nach den Attentaten von Paris auch Anschläge in Deutschland nicht aus. «Ich gehe fest davon aus, dass es auch hier zu Planungen kommt. Ob sie erfolgreich sind, kann man wirklich nicht sagen», erläuterte der Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin im Bremer «Kurier am Sonntag». In Deutschland sei die Dschihadisten-Szene schwächer als in Frankreich. Dort seien in der Terrororganisation «Islamischer Staat» überproportional viele Nordafrikaner vertreten, vor allem Marokkaner und Tunesier.

Die französische Regierung sei im Kampf gegen den «IS» und «Al-Kaida» aggressiver als die deutsche. Insofern sei sie ein wichtigeres Ziel für Terrororganisationen, sagte Steinberg. Theoretisch könnten Attentate wie in Paris abgewehrt werden, wenn die Szene im Inland sehr stark mit V-Leute durchdrungen werde. «Das ist aber ungeheuer schwer, weil es ideologisch motivierte Täter sind.» Seien die Täter in einer großen Stadt wie Paris erst einmal unterwegs und griffen gezielt Zivilisten an, dann sei die Chance solche Anschläge zu verhindern sehr gering.

Massenveranstaltungen wie die Fußball-Europameisterschaft im nächsten Juni in Frankreich ließen sich durchaus schützen, sagte Steinberg. «Allerdings wird die Europameisterschaft unter sehr viel drastischeren Sicherheitsvorkehrungen stattfinden, als wir das bisher kennen.» Ansonsten wäre das auch nicht zu verantworten. «Man muss damit rechnen, dass die EM ein ganz wichtiges Ziel für die Dschihadisten sein wird.»