An Niedersachsens Küsten gibt es erneut einen Konflikt um ein Schutzgebiet. In Wilhelmshaven kämpfen Umweltverbände für den Erhalt des Naturschutzgebietes Voslapper Groden-Nord. Die Stadt will dort Industriebetriebe ansiedeln.
Wilhelmshaven/Hannover (epd). Mehrere Umweltverbände haben sich zu einem Schutzbündnis für den Erhalt des Naturschutzgebietes Voslapper Groden-Nord in Wilhelmshaven zusammengeschlossen. Die Stadt Wilhelmshaven wolle eines der wertvollsten Naturgebiete der Region für industrielle Bebauung freigeben, erklärten am Montag die niedersächsischen Landesverbände von BUND und Nabu sowie die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Ein Joint Venture von Firmen aus Belgien und Deutschland stehe bereits in den Startlöchern, um auf der Fläche des Naturschutzgebietes unter anderem eine Anlage für den Import von fossilem Flüssiggas zu errichten.
Für die Realisierung des Projektes müssten der Flächennutzungsplan, der Bebauungsplan sowie die Naturschutzgebiets-Verordnung Voslapper Groden-Nord geändert werden. Das Gebiet ist nach Angaben der Umweltverbände seit 2007 geschützt und ein international bedeutendes Brut- und Rastgebiet bedrohter Vogelarten.
«Ein international bedeutendes Schutzgebiet wie der Voslapper Groden-Nord ist eindeutig der falsche Standort für die Realisierung großflächiger Industrievorhaben», sagte die BUND-Landesvorsitzende Susanne Gerstner. Für dieses einmalige Brut- und Rastgebiet mit seinen bedrohten Vogelarten wie Rohrdommel und Blaukehlchen gebe es weder in Wilhelmshaven noch in der Region geeignete Ausgleichs- oder Ersatzflächen.
Nabu-Landeschef Holger Buschmann erklärte, durch den Rückgang der Artenvielfalt weltweit und auch in Niedersachsen gerieten «unsere natürlichen Lebensgrundlagen zunehmend ins Wanken». In dieser Situation ein einzigartiges Schutzgebiet wie den Voslapper Groden-Nord ausgerechnet für industrielle Interessen zu opfern, sei «ein fatales Signal».
Nach den Worten von DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner, bedienen die Pläne für den Industriepark vor allem fossile Interessen. Die Stadt wolle hier ein wichtiges Schutzgebiet für seltene und vom Aussterben bedrohte Vogelarten «komplett entwerten».
Die Stadt Wilhelmshaven plant, auf dem Areal Industrien anzusiedeln, die einen Beitrag zum Gelingen der Umrüstung der Energieversorgung leisten sollen. Gleichzeitig will die Kommune Ausgleichsflächen ausweisen: Für jeden Quadratmeter, der an ein Unternehmen verkauft wird, würden 1,3 Quadratmeter Grünland zur Kompensation erworben.