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Ökumenischer Weltgebetstag am 6. März

Am 6. März wird wieder weltweit der Weltgebetstag (WGT) gefeiert. Wie jedes Jahr am ersten Freitag im März wird wieder ein Gebet 24 Stunden lang um die Welt gehen, wenn Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche in mehr als 150 Ländern in Gottesdiensten zusammenkommen. Seit über 100 Jahren setzen sich christliche Frauen für Frieden, Gerechtigkeit und Würde anderer Frauen auf der Welt konfessions- und länderübergreifend ein. Jedes Jahr steht ein anderes Land im Mittelpunkt. 2026 haben Frauen aus Nigeria unter dem Motto „Kommt! Bringt eure Last.“ (angelehnt an Matthäus 11,28-30) das Material für den WGT vorbereitet.

Die Vorbereitungen laufen
Die Frauenarbeit der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg hat im Januar mehrere konfessionsübergreifende Treffen in Oldenburg und Sande zur Vorbereitung des Weltgebetstags veranstaltet. Dabei hat sich alles um die Gestaltung der WGT-Gottesdienste und um Hintergründe zu Nigeria gedreht.

Alltag nigerianischer Frauen nur sehr schwer vorstellbar
„Wir haben uns intensiv mit dem Alltag der nigerianischen Frauen und ihren Lasten beschäftigt und viel über das Land gelernt“, beschreibt Nicole Dylewski, Mitarbeiterin der Frauenarbeit der oldenburgischen Kirche, die die Treffen leitete. Mangelnde berufliche Perspektiven, fehlende Anerkennung und sexuelle Gewalt erschweren das Leben der Frauen im bevölkerungsreichsten Land Afrikas. „Für uns ist das nur sehr schwer vorstellbar“, sind sich einige der Teilnehmerinnen einig, nachdem sie sich in Arbeitsgruppen mit dem Leben dreier Nigerianerinnen auseinandergesetzt haben. „Ganz schön starker Glaube“ oder „Ich wünschte, ich wäre auch so stark und glaubensfest“ waren Kommentare, die die ergreifenden Geschichten über die Einzelschicksale begleiteten. Denn trotz aller Hoffnungslosigkeit würden die Frauen Hoffnung ausstrahlen. Das tägliche Gebet wäre fester Bestandteil ihres Alltags und gäbe ihnen Kraft und Mut und spende Trost.

Nigeria – bevölkerungsreichstes Land Afrikas
Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas – vielfältig, dynamisch und voller Kontraste. Mit über 230 Millionen Menschen vereint der „afrikanische Riese“ über 250 Ethnien mit mehr als 500 gesprochenen Sprachen. Die drei größten Ethnien sind Yoruba, Igbo und Hausa, aufgeteilt in den muslimisch geprägten Norden und den christlichen Süden. Außerdem hat Nigeria eine der jüngsten Bevölkerungen weltweit, nur drei Prozent sind über 65 Jahre alt. Dank der Öl-Industrie ist das Land wirtschaftlich stark, mit boomender Film- und Musikindustrie. Reichtum und Macht sind jedoch sehr ungleich verteilt.

Ein ganz besonderes Gefühl
Den Zusammenhalt, das gemeinsame Beten und die Gottesdienste am WGT beschreiben die Teilnehmerinnen der Vorbereitungstreffen als ein ganz besonderes Gefühl der weltweiten Verbundenheit. Und genau das war bereits bei den Treffen in Oldenburg und Sande spürbar.

Musik, Gesang und Tanz sind in Nigeria an der Tagesordnung. Und so starteten die Vorbereitungstreffen mit Bewegung zur Musik. „Wie positiv sich Musik auswirkt, haben wir gemerkt, als wir zum gegenseitigen Kennenlernen durch den Raum getanzt sind und erste Gedanken über Afrika ausgetauscht haben“, berichtet Nicole Dylewski.

Gesang war auch in den weiteren Stunden ein zentrales Element, denn die Gottesdienstordnung der nigerianischen Frauen enthält viele Lieder. Lieder, die von Hoffnung, Mut, Geborgenheit und Sehnsucht handeln und Ruhe, Zuversicht und tiefen Glauben ausstrahlen. Als Organistin Insa Meier die Melodien auf dem Klavier anstimmte und der Gesang den Gemeindesaal erfüllte, wurde es allen warm ums Herz. Unüberhörbar war dabei der einvernehmliche Wunsch der hiesigen Frauen, den Frauen in Nigeria zu helfen.

Kampf gegen Armut und sexuelle Gewalt 
Nigerianische Frauen tragen viele Lasten – nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Der Weg zum Wasser- und Feuerholzholen ist oft sehr weit. Sie tragen die Lasten auf dem Kopf. Durch Gewalt tragen diese Frauen im Alltag noch andere Lasten. Sie haben die Verantwortung für Kinder und die häusliche Versorgung. Sie haben in der Gesellschaft oft keinen eigenen Platz und kämpfen gegen Armut und sexuelle Gewalt. Das Titelbild des diesjährigen Weltgebetstags zeigt genau diese verschiedenen Lasten und bezieht sich damit und mit dem gewählten Motto „Kommt! Bringt eure Last“ auf die gewählte Bibelstelle im Matthäus-Evangelium 11,28-30.

„Ihr Anliegen ist es, die Last in vielerlei Hinsicht zu verteilen, auf die eigenen Schultern und auf die Gemeinschaft der Gläubigen“, so die Leiterin des Vorbereitungstreffens.

Kollekte 2026
Um den Frauen ein wenig von ihrer Last zu nehmen, fließt die Kollekte in zwei ausgewählte Projekte, die Armut bekämpfen und Solidarität unter Frauen schaffen sollen.

Bei dem ersten geht es um Ernährungssicherheit für Kleinbäuerinnen in Nigeria. Die 2011 gegründete Women & Youth Empowerment and Health Initiative (kurz: WYEAHI) unterstützt Kleinbäuerinnen dabei, ihr Land nach der Beilegung der Konflikte in der Region wieder zu bewirtschaften und sich damit eine Existenz aufzubauen. Insbesondere Alleinerziehende und Frauen mit einer Behinderung stehen dabei im Fokus. Sie erhalten Werkzeuge, Saatgut sowie Dünger und bekommen landwirtschaftliche Kenntnisse vermittelt.

Das zweite Projekt will pflegende Mapuche-Frauen in Chile unterstützen. Die Frauen dieser indigenen Gruppe leben in Armut, leiden oft unter häuslicher Gewalt und psychischen Erkrankungen und tragen die Last der Krankenversorgung. Die Organisation SEDEC ist Teil der Sozialarbeit der Methodistischen Kirche von Chile. Sie fördert die individuelle Resilienz und das kulturelle Bewusstsein dieser Frauen und schafft Aufmerksamkeit.

Ein Beitrag von Daniela Conrady.

Weitere Infos unter https://weltgebetstag.de/ 
 

Bild zum Weltgebetstag 2026 mit dem Titel „Rest for the Weary“ von der Künstlerin Gift Amarachi Ottah
Bild zum Weltgebetstag 2026 mit dem Titel „Rest for the Weary“ von der Künstlerin Gift Amarachi Ottah