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2. Tagungstag der 1. Tagung der 50. Synode der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg

Eröffnung 2. Synodentag

Nach der Andacht mit der Synodalen Sarah Kruse (Kirchenkreis Ammerland), die von Pfarrer Cornelius Grohs musikalisch begleitet wurde,  eröffnete Synodenpräsident Chris Schellstede den zweiten Verhandlungstag der 1. Tagung der 50. Synode im Evangelischen Bildungshaus Rastede.

Grußwort von Oberkirchenrätin Dr. Jonah Klee

Am Freitagvormittag hat Oberkirchenrätin Dr. Jonah Klee, Theologische Referentin für Bildung, Seelsorge und Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), ein Grußwort überbracht. Sie sprach von herausfordernden und sich veränderten Zeiten. Um die Zukunft der oldenburgischen Kirche müsse sich aber niemand Sorgen machen. Mit Begeisterung nahm sie Bezug auf den vielfältigen Schwerpunktnachmitttag der oldenburgischen Synode am Donnerstag im Rahmen des Jahresthemas 2026 „Kirche erleben, Vielfalt entdecken!“. Hierfür hatte die AG Jahresthema einen Markt der Möglichkeiten geplant, an dem sich mehr als 40 Arbeitsbereiche, Einrichtungen, Werke und Kirchenkreise ihre Arbeit mit Ständen, Aktionen und vielem mehr vorstellen konnten. Trotzdem verändere sich das kirchliche Leben mit dem viele aufgewachsen seien, so Klee. Sie sprach der Synode Mut zu und warb dafür, dass Kirche aus Gottes Vertrauen lebe. 

Jahresthema 2027: „Demokratie und Glauben – Kirche in Verantwortung“

Einstimmig hat die Synode der oldenburgischen Kirche am Freitagvormittag als Jahresthema 2027 „Demokratie und Glauben – Kirche in Verantwortung“ beschlossen. Bei diesem Thema sollen folgende Schwerpunkte gesetzt werden:

  •  Demokratiebildung und Extremismusprävention
  • Kirche als Raum für Teilhabe und Vielfalt
  • Kirche gegen Diskriminierung

„Angesichts zunehmender Demokratiefeindlichkeit, wachsender Diskriminierung und einer spürbaren Erosion kirchlicher Bindung und gesellschaftlichen Zusammenhalts, sind auch wir als Kirche aufgefordert, uns klar zu positionieren“, so der Wortlaut der Begründung des Gemeinsamen Kirchenausschusses für den Vorschlag zum Jahresthema 2027 der Synode der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg. Das vorgeschlagene Thema reagiere auf diese Herausforderungen und knüpfe zugleich an Tagungen anderer Landessynoden in der Evangelischen Kirche in Deutschland an, die sich ebenfalls mit dem Thema Demokratie beschäftigen, betonte Bischof Thomas Adomeit in seiner Einbringungsrede.

„Wir leben in einer Zeit, in der demokratische Selbstverständlichkeiten und damit die Demokratie insgesamt brüchiger werden. Der Ton wird härter. Vertrauen schwindet. Menschen ziehen sich in Milieus zurück, in denen sie nur noch hören, was sie ohnehin schon denken. Andere erleben, dass sie wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer Lebensform, ihrer politischen Haltung oder ihrer Schwäche verächtlich gemacht werden. Darum ist Demokratie für die Kirche kein Nebenthema.“

Kirche ist kein wertneutraler Raum
Natürlich sei die Kirche keine Partei, so Adomeit. Und sie dürfe es auch nicht werden. Aber die Kirche sei kein wertneutraler Raum. „Sie denkt vom biblischen Zeugnis her, bei dem das Evangelium Jesu Christi im Zentrum steht. Daraus folgt schon in der hebräischen Bibel ein bestimmter Blick auf den Menschen: Jeder Mensch ist Gottes Ebenbild. Jeder Mensch hat unverlierbare Würde. Diese Würde wird nicht verliehen durch Pass, Herkunft, Leistung, Lebensform, Bildung, Sprache oder politische Brauchbarkeit. Sie ist nach unserem Verständnis von Gott gegeben. Sie ist deshalb unverfügbar. Sie ist nicht abstufbar. Darum ist es kein politischer Seitensprung, wenn Kirche über Demokratie spricht. Es ist eine Konsequenz unseres Glaubens.“

Genau darin liege die Stärke von Demokratie, betonte Bischof Thomas Adomeit.

Zum Thema Demokratie führte Bischof Thomas Adomeit weiterhin aus: „Sie schützt Minderheiten. Sie hält Räume offen. Sie zwingt uns dazu, Argumente auszutauschen und nicht Menschen auszusortieren. Sie verlangt, dass ich dem anderen nicht sofort die Würde abspreche, nur weil er mir widerspricht. Und sie lebt davon, dass Menschen sich beteiligen: wählen gehen, kandidieren, Verantwortung übernehmen, sich einmischen, widersprechen, Kompromisse suchen. Das ist nicht selbstverständlich. Das ist kostbar - und gefährdet, denn viele Menschen ziehen ihre Bereitschaft, ein öffentliches Amt zu übernehmen, zurück. Und immer mehr Menschen sprechen den gewählten Mandatsträgern die Wahrnehmung ihrer demokratischen Rechte ab.

Und ich glaube: Wir haben auch als Kirche in diesen Jahren die Aufgabe, diese Kostbarkeit neu zu beschreiben. Nicht nur mit Warnungen. Auch mit Hoffnung. Nicht nur gegen etwas. Sondern für etwas: für Menschenwürde, für Nächstenliebe, für Zusammenhalt. 

Ja. Wir müssen im Gespräch bleiben. Gerade als Kirche. Wir dürfen Menschen nicht vorschnell kritisieren. Wir sollten verstehen wollen, warum Menschen wütend sind, enttäuscht, verunsichert, misstrauisch, sich abgehängt und nicht gehört fühlen. Wir müssen hören, was Menschen bewegt. Aber Zuhören heißt nicht, dass wir allem und allen gleichermaßen zustimmen. Denn Gespräch heißt nicht, dass wir die Maßstäbe des Evangeliums an der Tür abgeben.
Es geht ausdrücklich nicht um die pauschale Verunglimpfung von Menschen. Es geht auch nicht darum, Wählerinnen und Wähler zu beschämen. Es geht darum, politische Inhalte, Strategien und Menschenbilder zu prüfen. Und da müssen wir ehrlich sein: Wir sprechen nicht über einzelne Ausrutscher. Wir sprechen nicht nur über Tonfälle. Wir sprechen über ein Muster.

Wenn in Programmen von ‚Remigration‘ gesprochen wird, dann ist das kein neutrales Verwaltungswort. Wenn eine eigene ‚Rückführungspolizei‘ nach dem Vorbild harter Abschiebebehörden gefordert wird, dann ist das nicht bloß Verwaltungstechnik. Wenn von ‚kulturfremden Flüchtlingen‘ die Rede ist, wenn Musliminnen und Muslime als Träger einer ‚kulturfremden Religion‘ beschrieben werden, deren Einfluss zu beschränken sei, wenn die Religionsfreiheit für Menschen anderen Glaubens als aufgeblähtes Sonderrecht dargestellt wird, dann geht es nicht nur um Migrationspolitik. Dann wird ein Grundrecht relativiert.

Und wenn queere Menschen, Menschen mit Migrationsgeschichte, Geflüchtete fortwährend als Problem markiert werden, dann wird nicht nur Politik gemacht. Dann wird gesellschaftlich sortiert und diskriminiert.

Wenn politische Kräfte beanspruchen, allein zu wissen, was ‚das Volk‘ will, dann ist Vorsicht geboten. Denn Demokratie lebt gerade davon, dass ‚das Volk‘ nicht eine genau bestimmbare Gruppe in klarer Unterscheidung zu anderen, den Fremden, ist. Das Volk besteht aus vielen Stimmen, vielen Erfahrungen, vielen Lebensgeschichten. Demokratie ist nicht der Besitz der Lautesten.

Lautstärke ist noch keine Wahrheit. Und Lautstärke ist noch keine Mehrheit. Wer Angst verbreitet, spricht ganz sicher nicht für das ganze Land. Wer andere herabwürdigt, spricht darum noch nicht im Namen des Volkes. Und wer den Zusammenhalt beschädigt, darf nicht unwidersprochen behaupten, er allein wisse, was die Menschen wirklich wollen. Wir sollten uns von Lautstärke nicht einschüchtern lassen.

Natürlich gibt es juristische Fragen. Natürlich gibt es rechtsstaatliche Verfahren. Die respektieren wir. Wir ersetzen keine Gerichte. Wir sprechen nicht als Verfassungsschutz. Wir sprechen als Kirche. Aber als Kirche dürfen und müssen wir sagen: Wo Menschenwürde relativiert wird, wo Minderheiten zum Problem erklärt werden, wo Verachtung politisches Mittel wird, wo demokratische Institutionen systematisch delegitimiert werden, da ist unser Widerspruch gefordert. Nicht weil wir parteipolitisch sein wollen, sondern weil wir christlich bleiben wollen."

 

Oldenburgische Synode: Erklärung für Menschenwürde, Demokratie und Zusammenhalt 

Mit sehr großer Mehrheit hat sich die Synode der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg für den Schutz von Menschenwürde, Nächstenliebe, Zusammenhalt und den Mut zur Demokratie ausgesprochen. In einer am Freitag, 29. Mai, mit einer Enthaltung beschlossenen Erklärung betonen die Synodalen, die Kirche trete für eine offene und demokratische Gesellschaft ein. „Alle Menschen haben die gleiche Würde. Jeder Mensch ist von Gott gewollt und geliebt. Darum wenden wir uns gegen: Menschenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, religiösen Hass, Gewalt und Einschüchterung, die Abwertung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Lebensweise.“  

Christlicher Glaube und völkischer Nationalismus seien nicht vereinbar. „Führende Vertreter*innen der AfD äußern sich verfassungsfeindlich und rechtsextremistisch. Nach unserer Überzeugung ist die AfD für Christ*innen daher nicht wählbar“, so die Synodalen in ihrer Erklärung.  

„Wer Menschen gegeneinander ausspielt, Angst bewusst schürt oder demokratische Grundrechte relativiert, handelt gegen die Grundlagen eines friedlichen Zusammenlebens. Zugleich wissen wir: Auch viele verunsicherte oder enttäuschte Menschen suchen Orientierung und Anerkennung. Als Kirche wollen Gesprächsräume offenhalten und niemanden vorschnell als Gesprächspartner*in ausschließen. Darum verpflichten wir uns: demokratische Bildung zu fördern, Räume für Begegnung und Gespräch zu schaffen, Menschen zu schützen, die bedroht oder ausgegrenzt werden, uns öffentlich für Menschenwürde und Nächstenliebe einzusetzen, in unseren Gemeinden eine Kultur des Respekts zu stärken“, so der Wortlaut der Erklärung.

Hier finden Sie den vollen Wortlaut der Erklärung im Format PDF.

Bericht der Gleichstellungsbeauftragten

Die Gleichstellungsbeauftragte der oldenburgischen Kirche Doris Vogel-Grunwald hat in ihrem Bericht für Schulungen und Fortbildungen sowohl im Bereich der Gleichstellung als auch zum Thema sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz geworben. „Damit Strukturen tatsächlich Wirkung entfalten können, braucht es Wissen“, so die Gleichstellungsbeauftragte. 

Um einen „Code of Conduct“ für die Ev.-Luth. in Oldenburg zu erarbeiten, habe das Kollegium auf Vorschlag der Gleichstellungsbeauftragten eine Steuerungsgruppe berufen, die einen solchen Code entwickeln soll. Der erarbeitete Vorschlag soll der Synode im kommenden Frühjahr zur Beratung und Beschlussfassung vorgelegt werden. 

Der Leitfaden zur geschlechtergerechten Sprache „Alle gemeint. Alle genannt.“ sei vom Kollegium verabschiedet worden und sei verbindlich. Auch in die Prozesse der Verwaltungsstrukturreform sei die Gleichstellungsbeauftragte eng eingebunden. 

Rund um den 17. Mai wehte aus Anlass des Internationalen Tags gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT) am Eingang des Oberkirchenrates in Oldenburg sichtbar die Regenbogenflagge. Zudem gebe es landeskirchenweite CSD-Aktivitäten. Materialien wie Banner, Planen und T-Shirts für eine gemeinsame Sichtbarkeit – etwa bei Demonstrationszügen – stünden künftig zur Ausleihe bereit. 

Als weitere Aktionen benannte die Gleichstellungsbeauftragte das Aufstellen einer orangefarbenen Bank im Rahmen des „Orange Day“, des internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, die Fortbildung im Oberkirchenrat in solidarischer Verbundenheit zum landesweiten Frauenstreik und die Plakataktion „Vielfalt“. Weitere Arbeitsschwerpunkte seien das Awareness-Team für Synodentagungen, die Teilnahme an Bewerbungsverfahren und der Gleichstellungsbeirat. 

Bericht der Landeskirchenmusikdirektorin

Landeskirchenmusikdirektorin Beate Besser hat in ihrem Bericht aufgezeigt, dass die Struktur der hauptamtlichen Kirchenmusik in der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg „eine in der EKD noch immer nahezu einmalige Konstruktion des Zusammenwirkens von umfassenden Stellen und Stellen mit speziellem Profil“ sei. Da dieses System bei Bedarf der Situation angeglichen werde, könne es sowohl als stabil, aber auch als immer wieder innovativ angesehen werden.

Die oldenburgische Kirche habe sich an der EKD-weiten Berufseinstiegsphase beteiligt, durch das im Herbst 2024 zwei Personen ihren Dienst in Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg begonnen hätten. „Schon jetzt kann dieses Modell als erfolgreich bezeichnet werden“, freute sich Landeskirchenmusikdirektorin Besser. Langfristig würden Stellen von Kirchenmusiker*innen schwerer zu besetzen sein. Daher sei die Initiative der Ständigen Konferenz Kirchenmusik zu unterstützen, ein solidarisches Finanzierungsmodell zu etablieren, das die Studienplätze auf Dauer erhalten könne. Im Rahmen der Ausbildung für den nebenberuflichen Dienst nähmen derzeit acht Personen am C-Kurs teil. 

Weiter berichtete Beate Besser, dass im Herbst eine kleine Orgelkonzertreihe zum Thema „Frischer Wind“ angeboten werde. Im Winter werde in Zusammenarbeit mit der „Creativen Kirche“ in der EWE-Arena das Musical „Bethlehem“ aufgeführt. 

Weiterhin berichtete Landeskirchenmusikdirektorin Besser, dass in mehreren Gemeinden die vergangenen Monate durch die Erprobungsphase für das neue Gesangbuch geprägt gewesen seien. Zudem werde es einen Arbeitstag zum neuen Gesangbuch am 27. Juni 2026 im Bildungshaus Rastede geben. Dazu lud die Landeskirchenmusikdirektorin abschließend herzlich ein.

Zwischenbericht zum Projekt Zukunftsfähigkeit der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg

„Unsere Kirche steht vor einer wichtigen Aufgabe: wir gestalten heute die Zukunft unserer Kirche für die kommenden Jahre und Jahrzehnte“, betonte Oberkirchenrat Sebastian Groß in seiner Einleitung zum Zwischenbericht zum Projekt „Zukunftsfähigkeit der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg“.

Die gesellschaftlichen Veränderungen machten auch vor der Kirche nicht halt und die Rahmenbedingungen veränderten sich spürbar, so Groß. „Wir erwarten, dass die Zahl unserer Mitglieder in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen wird. Schätzungen zu Folge gehören bis zum Jahre 2035 nur noch ca. 200.000 Menschen unserer oldenburgischen Kirche an. Das wäre ein Rückgang von ca. 40% im Vergleich zu den rund 338.000 Gemeindegliedern Ende 2025.“

In signifikanter Form sei die Kirche unmittelbar von den Kirchensteuererträgen abhängig und daher direkt von der Anzahl und der Finanzkraft der Kirchenglieder. Mit dem Rückgang der Anzahl der Mitglieder veränderten sich auch die finanziellen Möglichkeiten der oldenburgischen Kirche.

Das bedeute, dass in Zukunft weniger Mittel zur Verfügung stünden als heute. Natürlich sei schwer abzuschätzen, wie sich die rückläufige Mitgliederentwicklung in Zukunft auf unseren finanziellen Handlungsspielraum konkret auswirken werde, die Planungen seien mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.

„Betrachten wir die Veränderungen der Aufwendungen, so liegen wir in 2026 bei ungefähr 107 Millionen Euro Haushaltsvolumen. Die Erträge liegen bei ungefähr 104 Millionen Euro. Beide Komponenten werden sich in den folgenden zehn Jahren sukzessive reduzieren. Wir prognostizieren in 2035 zwar nur noch knapp 100 Millionen Euro Aufwendungen, aber auch nur noch Erträge in Höhe von 83 Millionen Euro. Das bedeutet, dass wir mehr ausgeben als wir einnehmen – oder anders ausgedrückt – dass uns weniger zur Verfügung steht im Vergleich zu dem, was wir ausgeben wollen und können. Sofern wir jetzt nicht gegensteuern.“

Trotz der Verengung des finanziellen Handlungsrahmens bleibe gleichzeitig der Auftrag der Kirche derselbe: „Menschen begleiten, Glauben leben, Gemeinschaft stärken und mit unserer Hoffnung Vorbild sein – dringend benötigte Aufgaben in unserer so verunsicherten Gesellschaft.“

Oberkirchenrat Groß betonte: „Es geht dabei nicht darum, einfach nur Kosten zu reduzieren. Es geht darum, bewusst zu entscheiden:

  • Welche Aufgaben sind uns besonders wichtig?
  • Wo können wir mit unseren Kräften den größten Unterschied machen?
  • Wie setzen wir unsere finanziellen und personellen Möglichkeiten verantwortungsvoll ein?
  • Was können wir mit dem zu erwartenden finanziellen Rahmen finanzieren.“

Die entscheidende Frage sei nicht, ob die oldenburgische Kirche noch handeln könne, sondern wie die Möglichkeiten so eingesetzt werden könnten, dass Kirche auch morgen lebendig und wirksam bleibe.

Dieses Projekt solle helfen, so Groß, Schwerpunkte zu setzen, Kräfte zu bündeln, Doppelstrukturen zu überprüfen und Raum für Neues zu schaffen.

„Wir wollen diesen Weg nicht aus einer Haltung des Mangels gehen, sondern aus Verantwortung und Gestaltungskraft. Die kommenden Entscheidungen werden nicht einfach sein. Aber sie bieten auch die Chance, klarer zu erkennen, was uns trägt und worauf wir unsere Energie künftig konzentrieren wollen. Dafür braucht es Offenheit, Mut und gemeinsame Gespräche. Dieses Projekt lebt davon, dass viele Perspektiven eingebracht werden. Nur gemeinsam können wir tragfähige Prioritäten entwickeln. Am Ende geht es um eine zukunftsfähige Kirche – inhaltlich, geistlich und finanziell.“

Bericht des Projektleiters Kai Wessels 
Pfarrer i. R. Kai Wessels stellte als Projektleiter den Zwischenstand des Projekts „Zukunftsfähigkeit der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg“ vor und betonte, dass Ziel sei die Erstellung eines Gesamtkonzeptes durch den Oberkirchenrat für die finanzielle und inhaltliche Zukunftsfähigkeit der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg in einem strukturierten Verfahren.

Zum Zeitpunkt der 1. Tagung der 50. Synode im Mai 2026 laufe die Projektphase 2: „Aufgabenkritikphase und Konzeption des Transformationsfonds“. Eine Rücklaufverzögerung in der Datenerhebung sowie die Verschiebung der konstituierenden Tagung der 50. Synode hätten in Projektphase eins zu einer circa zweimonatigen Projektverzögerung geführt. Die aktuelle Projektphase zwei sei im März mit entsprechender Verzögerung begonnen worden.

Bei der inhaltlichen Überprüfung und Neuaufstellung der Aufgaben auf der Basis der Prioritäten würden Workshops zur Aufgabenkritik durchgeführt. Im Ergebnis soll eine Innovations- und Exnovationsliste (IEL) entstehen, die für jede Aufgabe festlege, ob die Aufgabe beibehalten, angepasst oder eingestellt werde bzw. welche Innovationen etabliert werden sollen, berichtete Kai Wessels. Ziel des Gesamtkonzeptes sei, so Wessels, die Aufgaben der oldenburgischen Kirche so zu gestalten, dass bei Erbringung aller Aufgaben gemäß der mittelfristigen Finanzplanung 2035 ein ausgeglichener Haushalt gewährleistet sei. 

Die synodale Beratung soll noch im Herbst 2026 beginnen.

Bischof Thomas Adomeit: Am Ende müssen Entscheidungen getroffen werden, die nicht alles unverändert lassen können

Die Synode der oldenburgischen Kirche werde entscheiden müssen, wofür sie sich künftig mit ganzer Kraft Kirche sein wollen, was sie sich noch leisten können und vor allem, was sie auf keinen Fall geistlich und inhaltlich verlieren dürfe, betonte Bischof Adomeit in seiner Einbringung zum Bericht des Projekts.

„Wir werden darüber sprechen müssen, wie Veränderung gelingt, ohne Menschen zu überfahren. Und wir werden auch darüber sprechen müssen, wie wir Neues ermöglichen, obwohl die Ressourcen knapper werden.“

Der Transformationsfonds sei dabei ein wichtiger Gedanke. „Wenn Zukunftsfähigkeit nur Abbau bedeutete, wäre sie kein Zukunftsprojekt. Dann wäre sie Verwaltung des Rückgangs. Zukunftsfähigkeit muss auch heißen: Wir schaffen Raum für Innovation. Wir ermöglichen neue Formen kirchlicher Präsenz. Wir suchen Kooperationen. Wir stärken das, was Menschen erreicht, was Glauben eröffnet, was Gemeinschaft bildet und was unsere Verantwortung für die Welt sichtbar macht.“

Bischof Adomeit betonte, dass der Entscheidungsprozess nicht konfliktfrei ablaufen werde. Es werde unterschiedliche Einschätzungen geben und gute Gründe für vieles, was heute geschehe. Am Ende müssten aber Entscheidungen getroffen werden, die nicht alles unverändert lassen könnten.

Das Projekt Zukunftsfähigkeit brauche die Synode, nicht nur Zustimmung, sondern auch Beratung, Widerspruch, Nachfragen, geistliche Unterscheidung und den Blick auf das Ganze der oldenburgischen Kirche.

Wenn das Gesamtkonzept vorliege, soll es nicht wie ein fremdes Papier auf dem Tisch der Synode liegen. „Es soll ein Konzept sein, das in der Synode verstanden, geprüft, beraten und verantwortet werden kann. Darum ist die Arbeit in den Ausschüssen in den kommenden Monaten so wichtig“, so Adomeit.

Der Gemeinsame Kirchenausschuss wird diesen Prozess weiter begleiten und die 50. Synode werde „in ihrer Amtszeit Weichen stellen, die weit über diese Periode hinausreichen. Das ist eine große Verantwortung. Aber es ist auch eine große Chance.“
 

Bericht zur Neustrukturierung der Verwaltung

Oberkirchenart Sebastian Groß stellte am Freitagvormittag die Fortschritte bei der Neustrukturierung der Verwaltung der oldenburgischen Kirche vor. Diese befinde sich aktuell in einer „entscheidenden Phase“. Aktuell läge der Schwerpunkt auf der Bildung der Fachbereiche und der Besetzung der Stellen in der neuen Struktur. „Es konnten bislang ca. 40 Prozent aller Mitarbeitenden der Gemeinsamen Kirchenverwaltung in die neue Struktur überführt werden“, so Oberkirchenrat Groß. 

Sebastian Groß berichtete weiterhin, dass  die Leitungsposition des Fachbereiches „Finanzen“ erfolgreich zum Anfang Mai durch Andreas Rauch besetzt werden konnte. Rauch war bisher persönlicher Referent von Oberkirchenrat Groß . „Hinsichtlich des Fachbereiches ‚Personal‘ werden weitere Gespräche geführt, um auch hier möglichst bald eine Leitung finden zu können“, so Oberkirchenrat Groß.

Zu den Überlegungen zu den künftigen Standorten konnte Groß an dieser Stelle noch keine konkreten Ergebnisse präsentieren. „Ziel bleibt weiterhin, dass der durch das Kirchenverwaltungsgesetz vorgegebenen Rahmen, eine Zentralstelle und drei Außenstellen, innerhalb des Projektzeitraums umgesetzt werden kann.“

Parallel zum Aufbau der von der Synode beschlossenen Strukturen soll zunächst ein Aufgaben- und Leistungskatalog für die Gemeinsame Kirchenverwaltung erstellt werden. Am Ende dieses Prozesses soll dann auch ein neuer Aufgabenkatalog für die Kirchenbüros erstellt werden.

 „Wir haben uns auf den Weg gemacht und wir kommen gut voran. Wir sehen, wo unsere Planungen aufgehen und wo wir nachsteuern müssen. Wir müssen aufpassen, dass in unserer Gemeinschaft alle mitkommen und wir trotzdem weiterkommen,“ fasste Oberkirchenrat Groß den Prozess der Neustrukturierung zusammen. „Gemeinsam schaffen wir eine Verwaltung, auf die sich unsere Kirche verlassen kann.“

Wahl in die Mitgliederversammlung des Vereins für die Evangelische Heimvolkshochschule Rastede e. V. 

Die Synode wählte den Synodalen Jost Richter einstimmig als Delegierten für die Mitgliederversammlung des Vereins für die Evangelische Heimvolkshochschule Rastede e. V.

Wahl in das Visitationsteam für die Visitation von Kirchenkreisen, Einrichtungen und Werken und Arbeitsbereichen der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg

Zusätzlich zu den auf der konstituierenden Synodentagung Anfang März 2026  bereits gewählten zehn Synodalen wählte die oldenburgische Synode am Freitagvormittag die Synodale Pfarrerin Doris Möllenberg als stellvertretendes theologisches Mitglied und den Synodalen Tobias Frick als stellvertretendes nichttheologisches Mitglied in das Visitationsteam von Kirchenkreisen, Einrichtungen und Werken und Arbeitsbereichen der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg.

Grundlage für den Beschluss ist § 17 Abs. 1 der Visitationsordnung der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg. So waren von der Synode vier nichttheologische Mitglieder und zwei theologische Mitglieder in das Visitationsteam für die Visitation von Kirchenkreisen, Einrichtungen und Werken und Arbeitsbereichen in Oldenburg zu wählen. Für jedes Mitglied war darüber hinaus ein stellvertretendes Mitglied zu wählen. 

Eingaben

Die Eingaben an die Synode wurden zur Weiterarbeit an die entsprechenden synodalen Ausschüsse verwiesen. 

Der Synodale Jost Richter dankte Synodenpräsident Chris Schellstede für die souveräne Leitung der Synodentagung. 

Nach Lesung, Gebet und Segen durch Bischof Thomas schloss Synodenpräsident Chis Schellstede die Verhandlungen der 1. Tagung der 50. Synode.

Die 2. Tagung wird vom 19. bis 21. November 2026 im Evangelischen Bildungshaus Rastede stattfinden.
   
Von der Synodentagung berichteten Birgit Blank, Esben Fest, Dirk-Michael Grötzsch, Sabine Schlösser, Lucas Söker und Meral van Loo.

Bilder vom zweiten Tagungstag

1./50. Synode

Berichterstattung der 1. Tagung der 50. Synode vom Donnerstag, 28. bis Samstag, 29. Mai 2026.

1. Tagungstag, Donnerstag

1. Tagung der 50. Synode, 1. Tagungstag am Donnerstag, 28. Mai 2026