Stationen mit deutlichen Parallelen zur Gegenwart
Der Kirchenkreis Ammerland hat in Zusammenarbeit mit der lutherischen Kooperationsregion Oldenburg-Nord und der Erwachsenenbildung Oldenburg (EEB) eine dreiteilige Reihe zum Thema „Gerechter Friede?“ veranstaltet. Den Abschluss bildete am 5. September ein Friedensspaziergang in Ofen, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen waren.
Der Spaziergang vereinte Bewegung, Begegnung und Denkanstöße. Gemeinsam besuchte die Gruppe verschiedene Stationen im Ort, die Unrecht, Gewaltherrschaft und Unfriede einem hoffnungsvollen und friedlichen Miteinander gegenüberstellten.
Die erste Station war die Kirche des Ortes, deren Turm während der nationalsozialistischen Herrschaft abgetragen wurde, um die Einflugschneise eines nahegelegenen Flugplatzes freizuhalten. Bis heute mahnt der fehlende Turm an die Ausweitung militärischer Aktivitäten und deren gewaltsame Folgen – ein Thema, das für viele Teilnehmende erschreckend aktuell wirkte.
Besonders eindrücklich war die inszenierte Lesung des Heinrich-Kunst-Vereins in der Gedenkstätte der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Wehnen. Dort waren während der Zeit des Nationalsozialismus über 1.500 hilfsbedürftige Patient*innen den menschenverachtenden Praktiken der Nazis zum Opfer gefallen – durch Erniedrigung, Misshandlung und Aushungern. Die Lesung bot einen beklemmenden Einblick in das Weltbild jener Zeit, das auch heute in politischen Strömungen wieder auflebt, die bestimmten Menschen grundlegende Rechte absprechen. Dieses Thema sorgte auf dem weiteren Weg für intensive Gespräche unter den Teilnehmenden.
Obwohl die ersten Stationen bereits deutliche Parallelen zur Gegenwart aufzeigten, legte die Vorbereitungsgruppe – bestehend aus EEB-Regionalstellenleiterin Christina Reinemann, Pastorin Dr. Anna Cornelius und Diakon Friedemann Hönsch – Wert auf einen praktischen Bezug zur heutigen Gesellschaft. So regte Pfarrer Matthias Hempel vom Oberkirchenrat Oldenburg mit einem Impuls zum Thema Sport zum Nachdenken an. Gemeinsam überlegte die Gruppe, was der Sport für den Alltag lehren könne: respektvoller Umgang, das Einhalten von Regeln und die Fähigkeit, trotz Gegnerschaft einander in die Augen zu sehen. Werte, die ein friedliches Miteinander stärken.
Mit einem gemeinsamen Suppenessen im Gemeindehaus endete die Reihe „Gerechter Friede?“ in informeller Runde. Doch die zentrale Frage bleibt: Wie können wir heute friedlich zusammenleben – persönlich, gesellschaftlich und global? Die Veranstalter*innen betonten, dass die Auseinandersetzung mit diesen Themen die Kirche weiterhin beschäftigen, aber letztlich auch bereichern wird.




