In Jordanien haben Bewaffnete eine christliche Gemeinde überfallen und viele Menschen getötet oder verletzt. Menschenrechtler drängen auf Aufklärung des Anschlags und kritisieren die Regierung in Amman.
Göttingen (epd). Nach einem Terroranschlag auf eine christliche Trauergemeinde in Jordanien haben Menschenrechtler eine lückenlose Aufklärung des Angriffs gefordert und zugleich die Reaktion der jordanischen Regierung kritisiert. Am vergangenen Freitag (23. Oktober) hätten bewaffnete Personen das Feuer auf eine christliche Trauergemeinde vor und in der griechisch-orthodoxen St.-Georgs-Kirche im jordanischen Dorf Hamoud im Gouvernement al-Karak eröffnet, berichtete die Gesellschaft für bedrohte Völker am Montag in Göttingen. Dabei seien mindestens neun Menschen getötet und etwa 40 weitere verletzt worden.
«Die jordanischen Behörden haben erklärt, dass sie jeden bestrafen werden, der falsche Informationen über den Anschlag verbreite», sagte der Nahostreferent der Menschenrechtsorganisation, Kamal Sido. Doch statt aufzuklären, habe die Regierung eine Nachrichtensperre verhängt. Berechtigte Sorgen der Christen in Jordanien vor islamistischer Gewalt gegen ihre Gemeinschaft würden unter dem Vorwand, eine Spaltung der Gesellschaft verhindern zu wollen, kleingeredet.
Drei bis vier Prozent der Jordanier sind Christen
Christen würden in den Ländern des Nahen Ostens immer stärker als fremd wahrgenommen, obwohl sie tief in der Geschichte Jordaniens, Syriens, des Irak, Libanons, Ägyptens und der Türkei verwurzelt seien, fügte Sido hinzu. «Im Nahen Osten entstand das Christentum und diese Länder sind die Heimat der ersten Christen der Geschichte.» In dem mehrheitlich muslimisch-sunnitischen Königreich Jordanien machen Christen nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker etwa drei bis vier Prozent der 11,5 Millionen Einwohner aus.