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Die Welt werde immer brutaler, auch durch den erstarkenden Rechtspopulismus, beklagt der EKD-Friedensbeauftragte. Dennoch wirbt er für das Leitbild des gerechten Friedens, auch mit Blick auf Israel. Militärisch sei der Nahostkonflikt nicht zu lösen.

 

Osnabrück (epd). Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Friedrich Kramer, hat mit Blick auf den Nahostkonflikt für das Leitbild des gerechten Friedens geworben. Schritte hin zum Frieden seien nur möglich, wenn die Konfliktparteien vom «rein militärischen Sicherheitsdenken» und der Logik des Aufrüstens wegkommen, sagte der mitteldeutsche Landesbischof am Freitagabend beim Ökumenischen Friedensdialog in Osnabrück zum Thema «Der Nahostkonflikt als friedensethische Herausforderung».

Es gebe keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Friede müsse gewagt werden, auch auf die Gefahr hin, zu scheitern, führte Kramer aus. Das «dynamische Leitbild» der EKD-Friedensdenkschrift von 2025 («Welt in Unordnung») erlaube es dabei, kleine Schritte zu denken. Auch wenn der Krieg das Leben im Krisengebiet insgesamt bestimme, lohne es sich, Gewalt, Unfreiheit und Not vor Ort bekämpfen, sagte Kramer sinngemäß. Doch nur wer die große Perspektive vor Augen habe, sehe diese Möglichkeiten im Kleinen.

Kinder wollen «Märtyrer» werden

Es gebe Menschen, die sich in Israel für ein solches Umdenken einsetzen, auch wenn dies immer schwieriger werde, sagte der Theologe und verwies auf einen Medienbericht über das Westjordanland: Darin hätten palästinensische Kinder auf die Frage, was sie werden wollen, «Märtyrer» geantwortet. «Da gibt es keine andere Idee mehr, außer dass man sowieso stirbt und sich in die Luft sprengt. Da braucht es etwas anderes. Und es braucht Menschen, die das auch denken.»

Seit vier Jahren werde die Welt immer schwieriger und brutaler, beklagte der Bischof. Viele Gesellschaften reagierten auf Krisen, indem sie Rechtspopulisten stärkten. Dies erschwere die Friedensbemühungen zusätzlich. «Wir leben in einer Weltstimmung des Egoismus, die vom Rechtspopulismus massiv forciert wird.» Als Beispiel nannte Kramer das von US-Präsident Trump beschlossene Ende der Entwicklungsbehörde USAID. Auch Ulrich Siegmund beabsichtige, nach dem Motto «Deutschland zuerst» kein Geld für andere Länder auszugeben. Der AfD-Politiker will sich im Dezember als Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zur Wahl stellen.

Christen halten an Verheißung fest

Durch solchen Egoismus komme die Gerechtigkeit unter die Räder, warnte Kramer. «Und deswegen fordern wir als Kirchen ein, dass die deutsche Politik diesen Weg nicht mitgeht.» Auch wenn die Visionen eines gerechten Friedens derzeit schwach seien, lasse man sich nicht entmutigen. «Wir Christen wissen: Uns ist nicht versprochen, dass es leicht wird. Aber am Ende geht es auf den Frieden zu. Und es lohnt sich nicht, die Kraft für etwas anderes einzusetzen.»

Seit 2021 laden die Deutsche Kommission Justitia et Pax und die Evangelische Friedensarbeit regelmäßig zum Friedensdialog ein. Die Veranstaltung wechselt jährlich zwischen Osnabrück und Münster, den Städten, in denen 1648 der Westfälische Friede beschlossen wurde.