Das Land Niedersachsen will das Angebot an islamischem Religionsunterricht trotz bestehender Hürden erweitern. Bislang nimmt nur ein Bruchteil der muslimischen Schülerschaft an dem Fach teil.
Hannover (epd). Die niedersächsische Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) will den islamischen Religionsunterricht an den Schulen des Landes trotz bestehender Engpässe ausbauen. „Wer jungen Menschen Halt geben und sie für ein respektvolles Miteinander in unserer vielfältigen Gesellschaft stärken will, muss ihnen Raum für Orientierung, Reflexion und Dialog eröffnen“, sagte die Ministerin in Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Fach begleite Kinder und Jugendliche dabei, ihre religiöse Identität reflektiert zu entwickeln und Fragen des Glaubens kritisch zu durchdenken.
Bislang erreicht das Angebot nach Angaben des Kultusministeriums nur eine Minderheit. Im Schuljahr 2025/26 besuchten 3.693 Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen das Fach. Das entsprach rund 3,8 Prozent aller zu diesem Zeitpunkt rund 95.000 muslimischen Schüler im Land. Die Teilnahmezahlen verharren seit langem auf niedrigem Niveau.
Zu wenig Lehrkräfte
Eine flächendeckende Einführung scheitere bisher vor allem an fehlendem Personal und organisatorischen Hürden, erläuterte das Kultusministerium. Häufig werde die erforderliche Mindestgröße von zwölf Teilnehmenden pro Lerngruppe nicht erreicht. Zudem mache sich insbesondere in ländlichen Regionen der Mangel an Lehrkräften bemerkbar. Im vergangenen Schuljahr waren landesweit 10,8 Prozent aller Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens. Der Unterricht werde überall dort angeboten, wo es eine ausreichende Nachfrage gebe und qualifizierte Lehrkräfte zur Verfügung stünden, hieß es.
Um den verfassungsrechtlichen Anspruch auf religiöse Bildung einzulösen, plant das Land nun eine Ausweitung auf die berufsbildenden Schulen. Dort wird das Fach bislang noch nicht angeboten. Die ersten Lehrkräfte würden dafür bereits weitergebildet, hieß es. Zudem soll künftig auch ein Referendariat für Lehrkräfte dieses Faches an Beruflichen Gymnasien eingeführt werden.
Land wirbt um Nachwuchs
Um neue Religionslehrkräfte zu gewinnen, setzt das Kultusministerium gemeinsam mit den islamischen Verbänden auf gezielte Nachwuchswerbung an Universitäten und Schulen. Neben der regulären Ausbildung an Studienseminaren bietet das Land auch Weiterbildungen für bereits im Dienst stehende Lehrkräfte an. Das Fach solle Schülerinnen und Schülern ermöglichen, eine eigenständige Haltung zu entwickeln und die Dialogfähigkeit mit anderen Religionen zu stärken, hieß es.
Inhaltlich ausgestaltet wird das Fach in Abstimmung mit den muslimischen Gemeinschaften über einen Beirat. Darin sind die Verbände die Schura und Ditib vertreten. Der Beirat vertritt die Moscheegemeinden und stimmt den Lehrplänen sowie den Lehrwerken zu, die von staatlichen Kommissionen erarbeitet werden. Zudem erteilt er den vom Staat ausgebildeten Lehrkräften die erforderliche religiöse Unterrichtserlaubnis.
Islam-Unterricht in neun Bundesländern
Das reguläre Schulfach „Islamische Religion“ war in Niedersachsen 2013 an Grundschulen und 2014 an weiterführenden Schulen eingeführt worden. Inzwischen gibt es in neun Bundesländern einen eigenen Islam-Unterricht. In Deutschland leben nach Schätzungen rund sieben Millionen Musliminnen und Muslime, davon mehr als 90 Prozent im Westen.