Zum Hauptinhalt springen

Vor acht Jahren haben Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein den Reformationstag zum gesetzlichen Feiertag erhoben. Trotz sinkender Kirchenmitgliedszahlen halten die Regierungschefs das mehrheitlich weiterhin für eine gute Wahl.

Hannover/Bremen (epd). Acht Jahre nach der Einführung des Reformationstags (31. Oktober) als gesetzlichem Feiertag betonen die Regierungschefs der norddeutschen Bundesländer mehrheitlich weiterhin die Bedeutung des Tags für die gesamte Gesellschaft. Die Entscheidung, den Tag als gemeinsamen Feiertag zu wählen, sei richtig gewesen, erklärten die Ministerpräsidenten und Bürgermeister von Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein in einer Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). Trotz sinkender Kirchenmitgliedszahlen gelte das noch immer.

Am Reformationstag erinnern Protestanten an die Anfänge der evangelischen Kirche vor rund 500 Jahren. Die von Martin Luther (1483-1546) um den 31. Oktober 1517 veröffentlichten 95 Thesen zum Ablasshandel wurden zum Ausgangspunkt der Erneuerung von Kirche und Gesellschaft. 2018 wurde der Tag in Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein zum arbeitsfreien Feiertag erklärt.

Verantwortung des Einzelnen

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) betonte: «Mich persönlich erinnert der Reformationstag an den Mut, für eigene Überzeugungen einzustehen und bestehende Verhältnisse kritisch zu hinterfragen.» Luther habe mit der Reformation nicht nur die Kirche verändert, sondern auch die Verantwortung des Einzelnen vor Gott betont: «Werte wie Gewissensfreiheit, Bildung, Eigenverantwortung und die Bereitschaft zum Dialog prägen unsere Gesellschaft bis heute.»

Bremens Regierender Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) verwies darauf, dass die Wirkungsgeschichte der Reformation über die Kirche und die Theologie hinausging. «Die Reformation hat die Geschichte unserer Stadt, unseres Landes, Europas und der Welt nachhaltig beeinflusst», sagte er. «Sie hatte Folgen für das politische Handeln und für das Selbstverständnis der Menschen, die Autoritäten auf neue Weise infrage gestellt haben.»

Ein gemeinsamer Tag für den Norden

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hob den Stellenwert eines gemeinsamen Feiertags in den vier aneinander grenzenden norddeutschen Bundesländer hervor. «Viele Familien wohnen in Schleswig-Holstein und arbeiten in Hamburg», sagte er. «Ein gemeinsamer Feiertag bedeutet für sie wirklich gemeinsame freie Zeit.» Die Entscheidung sei in seinem Bundesland 2018 nach langen Debatten fraktionsübergreifend getroffen worden. «Über einen Feiertag wird nicht nach Tagesstimmung entschieden, und er hängt nicht an schwankenden Mitgliederzahlen.» Das Land Hamburg äußerte sich zurückhaltender. Es sei spekulativ, zu sagen, wie heute eine Entscheidung ausfallen würde, hieß es aus der dortigen Bürgerschaftskanzlei.

Geschichtliche Prägung

Die Regierungschefs betonten das Verbindende des 2018 eingeführten Feiertags. «Er wurde von Beginn an nicht als Feiertag der konfessionellen Abgrenzung verstanden, sondern als Tag mit Bedeutung für die gesamte Gesellschaft», sagte Lies. Bovenschulte sieht den Tag als Einladung zum Dialog: In reformatorischer Tradition könne über notwendige Erneuerungen und Veränderungen diskutiert werden

Aus Sicht von Günther hatte die Reformation im Norden auch Einfluss auf die Identität der Menschen. «Schleswig-Holstein ist ein christlich und über Jahrhunderte evangelisch geprägtes Land», sagte der Ministerpräsident, der selbst der katholischen Kirche angehört. Der Reformationstag verleihe dieser Prägung Ausdruck.

Kaum Hoffnung auf weitere Feiertage

Hoffnung auf die Einführung weiterer arbeitsfreier Feiertage machten die Regierungschefs angesichts der wirtschaftlichen Lage allerdings nicht. «In wirtschaftlich angespannten Zeiten kommt es darauf an, gemeinsam anzupacken», sagte Günther.

Auch Lies dämpfte Erwartungen, obwohl die niedersächsische Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag von 2022 die Einführung eines weiteren weltlichen gesetzlichen Feiertags verankert hatte. Dies habe derzeit jedoch «keine übergeordnete Priorität». Die Hansestadt Hamburg verwies darauf, dass die gesetzgeberische Möglichkeit eines neuen weiteren Feiertags «nicht ausgeschlossen» sei.