Fast zwei Drittel der Menschen in Deutschland wissen laut des Bundesamtes für Strahlenschutz nicht, wie sie sich bei freigesetzter Radioaktivität verhalten sollen. Die Behörde hat deshalb Ratschläge und Verhaltensregeln zusammengestellt.
Salzgitter (epd). Fast zwei Drittel der Menschen wissen laut einer aktuellen Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) nicht, wie sie sich im Falle einer Freisetzung von Radioaktivität verhalten sollen. Rund 80 Prozent wünschen sich mehr Informationen über Schutzmöglichkeiten in einer radiologischen Notlage, vor allem angesichts der Bedrohung durch Nuklearwaffen. Aber auch ein Unfall bei einem Transport radioaktiver Stoffe oder ein terroristischer Anschlag sind mögliche Szenarien, auf die sich die Bürgerinnen und Bürger nicht gut vorbereitet fühlen.
Das BfS hat auf seinen Internetseiten Informationen und Verhaltensmaßregeln zusammengestellt. Sie richten sich nach dem «Allgemeinen Notfallplan des Bundes», der mögliche Referenz- oder Notfallszenarien auflistet. Von der Art des Notfalls ist abhängig, welche und wie viele radioaktive Stoffe freigesetzt werden können und welche Schutzmaßnahmen sinnvoll sind. Das Bundesamt listet außerdem auf, welche Schäden unterschiedliche Strahlendosen verursachen können, wie Verbrennungen oder Krebserkrankungen.
Die Bürgerinnen und Bürger sind bei den meisten Schutzmaßnahmen allerdings auf vorherige Informationen durch das BfS oder die Zivilschutzbehörden angewiesen, da erhöhte Radioaktivität nicht sicht- oder spürbar ist. Selbst die Einnahme von Jodtabletten sollte nicht ohne vorherige Aufforderung erfolgen, da sie nur bei bestimmten Szenarien sinnvoll ist.
Lediglich der Aufenthalt in Gebäuden, bevorzugt im Keller, in innenliegenden Räumen, Tiefgaragen oder U-Bahnhöfen, ist eine sinnvolle Schutzmaßnahme, die jeder Mensch selbst ergreifen kann, noch bevor es zu amtlichen Verhaltensmaßregeln kommt. Das gilt vor allem im Fall einer Nuklearwaffenexplosion.
Das BfS misst kontinuierlich die Umweltradioaktivität. Auch für das Überwachen der Lebens- und Futtermittel erhebt das Amt im Zusammenspiel mit den Ländern wichtige Daten. Bei einem kerntechnischen Unfall bilden die Messergebnisse und die berechneten Prognosen für die Strahlenbelastung die Grundlage für Entscheidungen zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung und der Umwelt. Auch die übrigen EU-Staaten betreiben ähnliche Messnetze. Auf internationaler Ebene liefert das Messnetz zur Überwachung des umfassenden Kernwaffenteststopp-Vertrags weltweit Daten zur Radioaktivität in der Umwelt.
Ein radiologischer Notfall lässt sich nicht nur in mögliche Szenarien, sondern in verschiedene Phasen gliedern. Im Wesentlichen sind dies die Dringlichkeitsphase und die Nachfreisetzungsphase.
Die Dringlichkeitsphase ist zu Beginn oft gekennzeichnet durch große Unsicherheiten und fehlende Informationen über die tatsächliche radiologische Lage. Sie umfasst in der Regel Stunden bis Tage. Bei Bedarf werden in dieser Phase frühe Schutzmaßnahmen ergriffen, wie die Ausgabe und Einnahme von Jodtabletten, die Aufforderung zum Aufenthalt in Gebäuden oder die Evakuierung.
Die radiologische Lage in den betroffenen Gebieten wird fortlaufend analysiert. Dies geschieht vor allem durch umfassende radiologische Messungen. Frühe Schutzmaßnahmen werden überprüft und gegebenenfalls angepasst. Langfristige Schutzmaßnahmen wie ein Verbot, bestimmte kontaminierte Lebensmittel zu vermarkten, können erforderlich werden.
Aufgrund der weltpolitischen Lage ist auch der Einsatz von Nuklearwaffen oder ein Unfall mit solchen Waffen nicht mehr auszuschließen, wenn er auch noch immer als unwahrscheinlich eingestuft wird. Bei einer Nuklearwaffenexplosion wird neben radioaktiven Stoffen und Strahlung eine enorme Energie freigesetzt. Die Sofortstrahlung, Hitze- und Druckwelle können im Umkreis von wenigen Kilometern um den Explosionsort tödlich sein. Radioaktive Stoffe, die bei der Explosion freigesetzt werden, verteilen sich als radioaktive Wolke und lagern sich nach und nach als sogenannter «Fallout» am Boden ab. Dadurch können sehr viel größere Gebiete betroffen sein. Der Aufenthalt in Gebäuden bietet dort einen guten Schutz. Innerhalb von 48 Stunden nimmt die Strahlenbelastung durch die Explosion deutlich ab.