Zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen standen Warnungen vor Extremismus und gesellschaftlicher Spaltung im Mittelpunkt. Bundespräsident Steinmeier und Bundesratspräsident Bovenschulte warben für eine entschlossene Verteidigung der Demokratie.
Bremen (epd). Warnungen vor Extremismus und Populismus prägten am Samstag die offiziellen Reden zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen. Kirchenvertreter, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte (SPD) riefen zu einer klaren Haltung gegen die Spaltung der Gesellschaft und zum Zusammenhalt auf. Die Feiern zum Einheitstag standen unter der Überschrift «Viele Stärken - ein Land».
Beim offiziellen Festakt im Konzerthaus «Die Glocke» warnte der Bundespräsident eindrücklich vor unerträglicher politischer Demagogie extremistischer Kräfte, die eine Lust an der Zerstörung auslebten. Sie gefährdeten die Demokratie und die Einheit.
In seiner vermutlich letzten großen Rede hielt der scheidende Steinmeier auch eine Rückschau auf sein politisches Leben seit 1989. Nach zwei Amtszeiten entscheidet die Bundesversammlung am 30. Januar über seine Nachfolge. Er räumte ein, dass sich seine Erwartungen von damals noch nicht erfüllt haben.
Vor allem habe er nicht gedacht, die sicher geglaubte Demokratie gegen Trolle aus dem Kreml, gegen deutsche Rechtsextremisten oder auch «linksautoritäre Irrlichter» verteidigen zu müssen, sagte Steinmeier. «Ich habe gedacht, alle hätten die Lektion aus der Geschichte gelernt, und muss sehen, wie Parteigänger des Rechtsextremismus heute das Andenken an die Opfer des Holocaust ausradieren wollen.»
Steinmeier appellierte an die Menschen im Land, nicht vor Drohungen von außen oder innen einzuknicken. Deutschland habe nach der friedlichen Revolution und Wiedervereinigung zahlreiche Krisen gemeistert. «Unser Deutschland ist ein gutes Land. Schaffen wir ein noch besseres.»
Auch Bremens Regierungschef Bovenschulte rief als Gastgeber der diesjährigen Einheitsfeier zu einer entschlossenen Verteidigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung auf. Kräfte, die diese Ordnung infrage stellen, hätten heute so viel Zuspruch wie noch nie seit Gründung der Bundesrepublik, warnte er.
Die Austragung ist an die Bundesratspräsidentschaft gekoppelt, die derzeit das kleinste Bundesland innehat. Am Samstagnachmittag übergab Bovenschulte den symbolischen Staffelstab der Bundesratspräsidentschaft an seinen Nachfolger, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU).
Die leitenden Geistlichen der evangelischen und katholischen Kirche riefen am Morgen im voll besetzten Bremer Dom zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung auf. Nächstenliebe bedeute, Lasten gemeinsam zu tragen und die Fähigkeiten jedes Einzelnen anzuerkennen, sagte der evangelische Kirchenpräsident Bernd Kuschnerus mit Blick auf die Fabel der Bremer Stadtmusikanten: «Einer trage des Anderen Last, damit beginnt die Nächstenliebe.» Der katholische Bischof des Bistums Osnabrück, Dominicus Meier ergänzte: Einheit und Zusammenhalt trügen nur dort verlässlich, wo sich Menschen mit klarer Haltung gegen Spaltung und Polarisierung stellten.
In der gesamten Bremer Innenstadt und entlang der Weser feierten die Menschen die Einheit. Die Polizei erwartete über das gesamte Festwochenende bis zu 450.000 Gäste - so viele, wie nie zuvor in der bremischen Geschichte. Aus polizeilicher Sicht verliefen die Feierlichkeiten insgesamt friedlich und ohne größere Zwischenfälle.
Am Freitagabend versammelten sich einem Polizeisprecher zufolge zahlreiche Menschen unter dem Motto «Was ihr feiert: Sozialabbau, Militarisierung, Antifeminismus!». Gegen 18 Uhr sei ein Aufzug von rund 700 Personen durch die Neustadt gestartet. Während des Aufzuges seien vereinzelt pyrotechnische Gegenstände, darunter Bengalos und Böller, gezündet und geworfen worden.
Das Bremer Bürgerfest endet am Sonntag. Bis dahin sind insgesamt mehr als 550 Veranstaltungen auf 14 Bühnen und Aktionsflächen geplant, darunter kostenlose Konzerte wie der Hip-Hop-Band «Die Fantastischen Vier», Theater und Diskussionen.