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Wir leben inmitten einer großen Fülle an Ressourcen. Manches nutzen wir gemeinsam, anderes allein. Manche Gegenstände benutzen wir viele Jahre, andere nur wenige Sekunden und schon schmeißen wir sie weg. Unser alltäglicher Umgang mit Ressourcen hat Folgen – und dafür tragen wir Verantwortung, als Individuen und als politische Bürger*innen, die Einfluss darauf nehmen können, wie wir uns als Gesellschaft organisieren.

Einbahnstraße oder Kreislauf?

Im Schnitt produziert jede Person in Deutschland rund 3 kg Hausmüll pro Woche. Hinzu kommt aber noch eine Menge andere Arten von Abfall: Grünschnitt, Sondermüll, Elektrogeräte, Industrieabfälle und so weiter.

Die entscheidende Frage ist: Was kann wieder zurück in den Kreislauf gegeben werden und was geht verloren? Die Mehrwegflasche kann wiederbefüllt werden, manche Plastikverpackungen können zu neuen Verpackungen werden und Gartenabfälle können kompostiert als Dünger wieder zurück in den Garten. Aber ein großer Teil des Abfalls wird am Ende verbrannt – oder landet im schlimmsten Fall in der Umwelt.

Auch das Verbrennen von Müll ist eine Art der Verwertung. Aber verwertet wird hierbei nur noch die thermische Energie, die zum Beispiel in einem Fernwärmenetz Haushalte mit Wärme versorgen kann. Die Materialien mit ihren spezifischen Eigenschaften gehen dabei verloren.

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Bei Aluminium, z.B. in Getränkedosen, lohnt sich das Recycling, denn die Herstellung einer Getränkedose aus recyceltem Sekundär-Alu braucht bis zu 95% weniger Energie als die Herstellung aus ausschließlich neuem Aluminium, obwohl auch beim Recycling immer ein Teil neues Aluminium beigefügt werden muss. Doch meistens ist es andersherum und die Herstellung von neuen Produkten ist kostengünstiger als das Wiederaufbereiten verwendeter Ressourcen. Oft sind auch verschiedene Materialien zusammen als Verbundstoffe verarbeitet und lassen sich daher nicht oder nur sehr aufwendig recyceln – z.B. beschichtete ToGo-Becher. Auch manche wertvollen Rohstoffe sind nach einmaliger Verwendung in der Regel für immer verloren – z.B. die Seltenen Erden im Smartphone, die nicht mehr (oder nur extrem aufwendig) extrahiert werden können, selbst wenn andere Bestandteile des Handys wie Gold, Kupfer und Silber recycelt werden.

Warum ist Müll ein Problem?

Wir haben begrenzte Ressourcen auf diesem Planeten und sind aktuell weit davon entfernt, diese nachhaltig zu nutzen – also so, dass wir und die Biosphäre langfristig von ihnen leben können. Ein mögliches Maß dafür ist der Erdüberlastungstag. Dieser bezieht sich auf die Biokapazität, also die Inanspruchnahme von Fläche, Boden und natürlichen Ressourcen. In Deutschland haben wir im Jahr 2026 am 10. Mai den Erdüberlastungstag erreicht. Das heißt, wenn alle Menschen so leben würden wie wir in Deutschland, könnte der Planet uns nicht einmal fünf der zwölf Monate im Jahr versorgen. Damit ist der Erdüberlastungstag auch ein Maß für globale Ungerechtigkeit.

Und auch die Folgen von Müll in der Umwelt sind zahlreich. Böden und Trinkwasser werden durch Giftstoffe und nicht verrottendes Plastik verunreinigt. Tiere ernähren sich von unseren Resten und Abfällen und erkranken oder verletzen sich daran. Jedes Jahr gelangen viele Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere.

Ist Müll auch ein Problem für das Klima?

Ja, denn die Müllverbrennung erzeugt, genau wie das Verbrennen fossiler Rohstoffe, Kohlenstoffdioxid-Emissionen, die die Atmosphäre aufheizen und die Klimakatastrophe weiter antreiben. Auch Müllhalden und Deponien erzeugen durch Verwesungsprozesse Emissionen, neben Kohlenstoffdioxid insbesondere das noch stärker klimawirksame Methan. Insgesamt belaufen sich die Emissionen aus dem Abfallsektor weltweit auf etwas mehr als 3% der menschengemachten Emissionen.

In jedem Fall gilt: wenn wir Müll vermeiden, Ressourcen nachhaltiger nutzen und mehr recyceln, muss weniger produziert werden – und auch das spart Emissionen. Die großen Hebel im Klimaschutz liegen darüber hinaus aber an anderer Stelle: vor allem in der Energiewende, also im Umstieg auf erneuerbare Energien, etwa bei der Stromproduktion und der Mobilität.

Ein Teil der Antwort: Reparieren, Recyceln und Müll vermeiden

Jede*r von uns kann aktiv dazu beitragen, weniger Ressourcen zu verbrauchen: beim Einkaufen von Obst und Gemüse zu verpackungsfreien Alternativen greifen, Klamotten und Technik gebraucht kaufen und zu Mehrwegbechern und Jutetaschen greifen oder am besten immer selbst dabeihaben. Aber auch andersherum: die eigenen Gegenstände, die zu Hause Staub fangen, verkaufen, verleihen oder verschenken. Was nicht mehr funktioniert, muss nicht unbedingt weggeschmissen und durch Neues ersetzt werden – oft lassen sich Dinge reparieren oder anderweitig weiternutzen.

Ein paar Tipps aus der Region:

  • Die in Oldenburg entwickelte und gemeinnützige App Boro hilft dabei, Gegenstände im eigenen Umkreis zu verleihen.
  • Fast überall gibt es inzwischen regelmäßige Repair-Cafés und Selbsthilfewerkstätten. Hier findest du eine Übersicht über einige Adressen in Niedersachsen. Aber schau dich auch bei dir vor Ort um und erkundige dich nach lokalen Veranstaltungen und Adressen. Oder organisiere selbst eine Veranstaltung!
  • Auf Seiten wie ifixit.com findest du Reparaturanleitungen für die verschiedensten Dinge und kannst Ersatzteile und Werkzeuge bestellen.
  • An vielen Orten gibt es auch Verschenkemärkte (z.B. in Oldenburg) oder Tauschbörsen für bestimmte Gegenstände (z.B. die Oldenburger Möbeltauschbörse, an der sich auch die Verwaltung der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg beteiligt). Und natürlich Second-Hand-Läden.
  • Auch bei großen Veranstaltungen muss nicht viel Müll entstehen. Ein positives Beispiel dafür ist die ehrenamtliche Initiative Weniger. Ist. Machbar (W.I.M.) im Ammerland. Dort kann u.a. Geschirr ausgeliehen werden, um auf Einweggeschirr zu verzichten.

Veränderung geht nur gemeinsam!

Die Umstellung auf eine möglichst umfassende Kreislaufwirtschaft und die deutliche Reduzierung unseres Ressourcenverbrauchs ist eine immense Aufgabe – deshalb braucht es mehr als nur individuellen Konsumverzicht. Politische Rahmenbedingungen können dafür sorgen, dass Recycling wirtschaftlich wird, wo es das heute noch nicht ist, und mehr recyclingfähige Materialien genutzt werden. Unternehmen, die viel Müll erzeugen, ob in der eigenen Produktion oder durch Verpackungen für die Endverbraucher*innen, können an den Kosten für die Verwertung des Mülls beteiligt werden. Und mit weniger Ressourcen auszukommen, kann in den verschiedensten Lebensbereichen aktiv gefördert und ermöglicht werden – das Schlagwort hierfür lautet Suffizienz.

Dafür braucht es uns alle – nicht nur als Konsument*innen, sondern als politische Bürger*innen, die sich einbringen, ob in der Politik, am eigenen Arbeitsplatz oder hier in der Kirche. Mehr zu Umweltfragen und Klimaschutz in der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg auf unserer Themenseite.

Mehr Informationen darüber, welche Wege die verschiedenen Materialien im Hausmüll nehmen und an welchen Stellen unser Entsorgungssystem sich noch verbessern muss, zeigt diese interaktive Infografik des NABU. Wissenswertes rund um Abfall und die richtige Entsorgung bietet außerdem die Verbraucherzentrale.
 

Text: Christian Naaf

Neun Eimer voller Müll
In einer knappen halben Stunde sammelten die Beteiligten am World Cleanup Day 2026 sieben Kilogramm Müll in der Oldenburger Innenstadt.
Drei Personen in Warnwesten, von denen einer einen Input vor der Gruppe gibt.
Christian Naaf beim World Cleanup Day 2026