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Beratung und Unterstützung in Lebenskrisen gehören zur Diakonie im ursprünglich-christlichen Sinn

Es kann wirklich jeden treffen: Der Druck im Alltag nimmt mehr und mehr zu, eine medizinische Diagnose reißt einem den Boden unter den Füßen weg, ein Mensch, der einem sehr nahesteht, stirbt. In anderen Fällen ist es die Ehe, in der man sich schon so lange gefangen fühlt und keinen Ausweg findet. Dann beginnt das Gedankenkarussell zu kreisen, immer und immer wieder. Und irgendwann wird deutlich: Es ist unmöglich, allein mit diesem Problem klarzukommen. Hier helfen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Evangelischen Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen für die Stadt Wilhelmshaven und den Landkreis Friesland. Schnell, fachkundig, unbürokratisch. Und das bereits seit 50 Jahren.

Die Einrichtung feierte am Donnerstag, 27. August, das Jubiläum. Um 14 Uhr waren alle Interessierten zu einem öffentlichen Festgottesdienst eingeladen, der in der St. Jakobi-Kirche Neuende, Kirchreihe 108 in Wilhelmshaven gefeiert wurde. Mit dabei waren Oberkirchenrat Lars Dede (Dezernat Bildung und Diakonie) und Pop-Kantorin Sarina Lal.

„Die Beratung und Unterstützung in Lebenskrisen gehören zur Diakonie im ursprünglich-christlichen Sinn“, sagt Martina Eckhoff, Leiterin der Beratungsstelle. Dabei sei deutlich zu spüren, dass die Not größer werde. „Wir merken in unserer täglichen Arbeit deutlich, dass es ein enormes Defizit an Therapieplätzen gibt“, so Martina Eckhoff.

Dabei bietet die Evangelische Beratungsstelle keine Psychotherapie an und will diese auch nicht ersetzen. „Wir arbeiten anders. Wir sind eine niedrigschwellige Anlaufstelle für alle, die sich in einer ausweglos erscheinenden Situation befinden. Und wir können als erste Anlaufstelle auch oft helfen, die Wartezeit auf einen Therapieplatz zu überbrücken, damit es zum Beispiel nicht noch tiefer in die Depression geht“, erklärt Eckhoff. Bei der Evangelischen Beratungsstelle ist weder ein Überweisungsschein noch eine Krankenversicherungskarte nötig.

Ein Anruf genügt, man schildert kurz, worum es geht, und bekommt einen Termin. Oder man kommt ganz einfach in einer offenen Sprechstunde vorbei (in Wilhelmshaven, Bismarckstraße 257, immer montags von 17 bis 18 Uhr ohne Termin oder in Varel, Schloßplatz 1 im Gemeindezentrum bei der Schlosskirche, immer Dienstag vormittags und Mittwoch nachmittags mit vorheriger Anmeldung unter Telefon 04421 / 73717). „In der offenen Sprechstunde können wir natürlich keine ausführliche Beratung anbieten. Aber wir können schon einmal einordnen und vielleicht erste Fragen klären oder auch an weitere Stellen vermitteln, die möglicherweise noch besser unterstützen können“, berichtet Mitarbeiterin Maria Tepe.

Wenn aber klar ist, dass in Gesprächen in der Beratungsstelle selbst mit den Betroffenen ein Weg aus ihrer Lebenskriese erarbeitet werden kann, werden Termine vereinbart. „Manchmal reicht es schon, wenn jemand über das gerade aktuelle Thema ausführlich berichten kann. Beim Sprechen werden den Betroffenen bereits erste Schritte klar. Ein andermal sind mehrere Termine nötig, nur um erst einmal das Problem zu erkennen, das hinter vordergründigen Symptomen liegt“, erklärt Mitarbeiterin Nicola Jacobi.

In der Evangelischen Beratungsstelle werden übrigens auch Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatungen angeboten. Neben den festangestellten Kräften, zu denen auch Gerd Schütze und Ilka Dedters gehören, sind in der Beratungsstelle auch Honorarkräfte tätig. Allerdings werde es immer schwieriger, solche Kräfte zu finden, da die gesetzlichen Vorgaben sich verändert haben. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich in pädagogischen und psychologischen Ausbildungen oder Studiengängen qualifiziert, hinzu kommen spezielle Zusatzqualifikationen als Therapeut*innen.

„Die Nachfrage ist sehr groß. Auch bei uns muss man mittlerweile mehrere Wochen auf reguläre Termine warten. „Aber wir versuchen immer, bei besonderen Notlagen auch sehr schnell zu reagieren und die Betroffenen gut zu begleiten“, sagt Martina Eckhoff. „Wir bilden eine Brücke in die Gesellschaft und zeigen, dass Kirche sehr nah bei den Menschen sein kann und dabei sehr gute Arbeit leistet.“

Dabei habe sich die vorrangige Thematik in den letzten Jahren verändert. Im Zuge von Corona aber auch im Zusammenhang mit Kriegsgeschehen gebe es mittlerweile etliche ältere Menschen, die massiv mit Ängsten und mit Einsamkeit zu kämpfen hätten. Darüber hinaus sei Mobbing ein großes Thema. Traditionell suchen Frauen eher Rat als Männer, gleichwohl ist aber in der Beratungsstelle in den letzten Jahren der Männeranteil bei den Klienten signifikant gestiegen.  

Finanziert wird die Beratungsstelle durch die evangelisch-oldenburgische Kirche. Alle Klienten werden gebeten, sich mit einem geringfügigen Kostenbeitrag zu beteiligen – wenn das zumutbar ist. Die Einrichtung hat jährlich mit rund 300 Menschen zu tun – manche kommen nur zu einem Gespräch, andere benötigen Unterstützung über einen langen Zeitraum. Hinzu kommen rund 190 Kontakte aufgrund eines Konflikts in der Schwangerschaft. Selbstverständlich unterliegen alle Beratungen der absoluten Vertraulichkeit.

Ein Beitrag von Annette Kellin. 

Hier finden Sie weitere Informationen zu den Ehe- Familien- und Lebensberatungsstellen der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg
 

 

Das Team der Evangelischen Beratungsstelle Friesland - Wilhelmshaven steht vor einem Rotklinkergebäude
Das Team der Evangelischen Beratungsstelle Friesland – Wilhelmshaven lädt zur Jubiläumsfeier ein. Von links: Ilka Dedters, Martina Eckhoff, Maria Tepe und Nicola Jacobi (es fehlt Gerd Schütze).
Die Leiterin der Beratungsstelle Martina Eckhoff
Die Leiterin der Beratungsstelle Martina Eckhoff
Gerd Schütze (fehlte auf dem Gruppenbild)
Gerd Schütze (fehlte auf dem Gruppenbild)
Ein schlichter Hinweis am Haus deutet auf die Beratungsstelle hin.
Ein schlichter Hinweis am Haus deutet auf die Beratungsstelle hin.